Brainboard - Gedächtnis, Lernen, Mnemotechnik

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BeitragVerfasst: Di 17. Apr 2012, 15:48 
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Superbrain

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Hallo Ernesto!
Wir werden uns in diesem Leben nicht einigen! Das mit dem Einkaufen ist ja nur ein Nebengeleis der ganzen Chose, das zu befahren keinerlei zusätzliche Zeit kostet. Und so ein paar Sätze im Brainboard bilden einen winzigen Ausschnitt der Lebensrealität. Du hast dich dafür entschieden, Mnemotechnik für vergebliche Mühen zu halten, warum auch immer. Andere wie ich erleben das anders. Dann lass uns anderen unseren Spaß an der Freud. Und du mögest mit deiner Art zu lernen glücklich werden.

Gruß
Horkas

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Zu allen wirklichen Abenteuern gehört, dass man einen Schatz sucht.
David Loye


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BeitragVerfasst: Di 17. Apr 2012, 16:46 
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Ich bin schon so weit weg von dem Zwang, etwas lernen zu "müssen", dass ich mir die Dinge, die mich wirklich interessieren, auch ohne Technik merken kann. Aber nochmal kurz zu deinem Beispiel der Wortarten: da geht es wirklich wieder um lineares, listenförmiges Wissen, was im Leben von Schülern nur äußerst begrenzt relevant ist und bei gutem Unterricht eigentlich auch nicht prüfungsrelevant - notwendig ist das Erkennen der Wortarten in einem Satzkontext, und da nützt es Schülern wenig, wenn sie die Liste der Wortarten im Kopf haben. Das hat alles mit Didaktik des Unterrichts zu tun und Wissen, für das mnemotechnische Hilfsmittel notwendig sind, ist IMHO sowieso ziemlich fraglich.


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BeitragVerfasst: Di 17. Apr 2012, 19:00 
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Superbrain

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Die "Liste" der Wortarten ist ja nur das Grundgerüst, an das Inhalte angedockt werden können, 10 Routenpunkte, um die herum sich dazu passende differenzierte Inhalte gruppieren lassen - beispielsweise die 7 verschiedenen Pronomen mit ihren Eigenschaften an Routenpunkt 4, die Konjugation des Verbs um Station 6 usw. Ich habe es vorher jedenfalls nie erlebt, dass die Schüler die grammatikalischen Strukturen so gut analysieren und Begriffe so sicher benennen konnten wie mit diesem Verfahren. Die Route ist linear, was darauf aufbaut keineswegs. So wie ein Buch (z.B eine Grammatik) linear gegliedert wird, um sich in den Kapiteln zu entfalten.

Und weil du die Satzanalyse erwähnt hast: Die betrieben meine Siebtklässler leicht und locker mit einem eigens dazu entwickelten mnemotechnischen Medium. Auf den bekannten französischen Kanon "Le coque est mort" sang ich mit ihnen die dazu gehörenden ebenso bekannten Fragen: "Wer oder was? ist das Subjekt, was ist ausgesagt? das Prädikat. ||: Wessen, wem und wen sind die drei Objekte :|| ||:Wann, wo, sie, warum - Adverbiale Bestimmung :|| Bei Übungen, später auch in der Klassenarbeit gab es ein eifriges lautloses Singen und Ergebnisse, die ich in dieser Sicherheit und Qualität nie zuvor erlebt hatte. Die erfahrene Kollegin, welche die Klasse im Jahrgang 8 übernahm, war begeistert. Noch nie war eine Klasse, die sie zuvor unterrichtet hatte, auf einem solchen Stand.

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Zuletzt geändert von Horkas am Mi 18. Apr 2012, 21:12, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Di 17. Apr 2012, 19:41 
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Horkas hat geschrieben:
Die erfahrene Kollegin, welche die Klasse im Jahrgang 8 übernahm, war begeistert. Noch nie war eine Klasse, die sie zuvor unterrichtet hatte, auf einem solchen Stand.

Verrätst du uns die Schule und die Klasse?


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BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2012, 8:05 
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Superbrain

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Du bekommst zuerst eine PN.

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Zuletzt geändert von Horkas am Mi 18. Apr 2012, 14:26, insgesamt 1-mal geändert.

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BeitragVerfasst: Mi 18. Apr 2012, 11:20 
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Superbrain

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ernesto hat geschrieben:
Horkas hat geschrieben:
Die erfahrene Kollegin, welche die Klasse im Jahrgang 8 übernahm, war begeistert. Noch nie war eine Klasse, die sie zuvor unterrichtet hatte, auf einem solchen Stand.

Verrätst du uns die Schule und die Klasse?

Das ist einige Jahre her und ein "nachträglicher Beweis" schwerlich möglich. Was jederzeit möglich wäre, ist die Wiederholung beider Experimente, die im "Handbuch kreative Lernpraxis" S. 98 (Lernlieder) und im "Methodentraining kreative Lernpraxis" S. 76 ff. (Praxisbeispiel Locitechnik) zur Nachahmung dokumentiert sind. Beide Werke sind 2006 in Lichtenau erschienen.

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BeitragVerfasst: Do 19. Apr 2012, 10:13 
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das kling ja sehr gut, aber wenn müsste man sowas den kindern von anfang an lernen, aber ich denke in der 1./2. Klasse sind sie für sowas noch nicht bereit...

kann man eine solche Technik erst in der 5./6. Klasse einführen oder fehlt da dann schon die Motivation?!

gruß toto


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BeitragVerfasst: Do 19. Apr 2012, 13:23 
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Superbrain

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toto hat geschrieben:
kann man eine solche Technik erst in der 5./6. Klasse einführen oder fehlt da dann schon die Motivation?!

Nach meiner Erfahrung sind Kinder in der 5. und 6. Klasse besonders experimentierfreudig, was ja für die Motivation zum Ausprobieren von Lerntechniken sehr gut ist. Das Erlebnis, sich per Mnemotechnik einen "unsichtbaren Spickzettel" machen zu können, wirkt zum Beispiel sehr inspirierend, damit weiterzumachen. Auch die Erfahrung, sich leicht etwas mit der Körperliste merken zu können, stärkt die Motivation, also das Erlebnis: Ich kann's!, statt möglicherweise alles leicht zu vergessen.

Man kann allerdings (mit Vorsicht und Geduld) manche Sachen auch schon früher ausprobieren. Ich denke zum Beispiel an das Alphabet mit einer "Fadengeschichte". Ich habe das in oberen Jahrgängen mit der inernationalen NATO-Buchstabiertafel gemacht, die von vielen Leuten später von Berufs wegen oder für das Hobby (Funken, Fliegen, Segeln usw.) ohnehin beherrscht werden muss:

A - ALFA
B - BRAVO
C - CHARLIE
D - DELTA
E - ECHO
F - FOXTROT
G - GOLF
H - HOTEL
I - INDIA
J - JULIETT
K - KILO
L - LIMA
M - MIKE
N - NOVEMBER
O - OSCAR
P - PAPA
Q - QUEBEC
R - ROMEO
S - SIERRA
T - TANGO
U - UNIFORM
V - VICTOR
W -WHISKEY
X - XRAY
Y - YANKEE
Z - ZULU

Wenn du mit diesen Begriffen eine (möglichst lustige) Geschichte erfindest, macht das den Kleinen gewiss Spaß und sie haben so etwas fürs Leben gelernt. Etwa so:

"ALFA, der Affe, ruft BRAVO CHARLIE in den Urwald. Vom DELTA am großen Fluss schallt das ECHO herauf. Plötzlich erklingt Musik. Ein FOXTROTT ist aus einem Autoradio zu hören. Schon biegt ein VW GOLF um die Ecke, hält vor dem HOTEL INDIA und heraus hüpft die hübsch JULIETTE, ruft: Hallo! Kann mir jemand sagen, wieviel KILOmeter es noch bis LIMA ist? MIKE eilt herbei, meint, jetzt im NOVEMBER sei das eine schwierige Strecke. Sie könnte ja OSCAR, den PAPA aus QUEBEC mitnehmen. Der sei kein ROMEO und kenne sich bestens aus in der SIERRA. Außerdem tanze er auch noch gerne TANGO in seiner komischen alten UNIFORM. Sei zweiter Name sei übrigens VIKTOR. Abends trinke er gerne einen WHISKEY. Der alte YANKEE liebe die Marke XRAY (Röntgenstrahl) und nicht die hier verbreitete Marke ZULU aus Südafrika."

Voll beherrscht, also gut geübt, ist die Buchstabiertafel auch eine solide 26er-Garderobe, die für allerlei Zwecke über die ganze Schulzeit hinweg genutzt werden kann, vom späteren Leben ganz zu schweigen. Für weitere Anregungen erlaube ich mir den Hinweis auf mein Buch "Mnemotechniken im Unterricht", das 2011 bei AOL, Buxtehude, erschienen ist. Das NATO-Alphabet und andere Vorlagen für den Unterricht gibt es zusätzlich per Download auf der Verlagssite.
Gruß, Horst Kasper

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BeitragVerfasst: Fr 20. Apr 2012, 10:25 
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Superbrain

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ernesto hat geschrieben:
Adrian Owen et al: Putting brain training to the test. 
Nature. in dieser wohl umfangreichsten Studie wird eindeutig gezeigt, dass kaum ein lateraler Transfer von erlernten kognitiven Fertigkeiten stattfindet.

Wenn ich das richtig verstehe, geht es in dieser Studie überhaupt nicht um Mnemotechnik, sondern um das klassische Gehirntraining, das ich aus der eigenen Arbeit gut kenne. Untersucht wurden doch das Kurzzeitgedächtnis (verbal short-term memory, VSTM), das Arbeitsgedächtnis (spatial working memory, SWM) und das paired-associates learning (PAL). Bei den mnemotechnischen Verfahren mit ihrer systematischen Verbindung alter und neuer Information geht es dagegen um Methoden zur Langzeitspeicherung von neuen Inhalten. Da gilt doch die alte neurobiologische Regel (Nr. 4), wie sie seinerzeit Frederic Vester bekannt gemacht hat, altes Wissen mit neuem zu verbinden. Und das funktioniert (bei guter Übung) einwandfrei!

Stichwort lateraler Transfer: Übertragen auf Mnemotechnik muss man feststellen, dass es nicht die Leistung der Methode ist, den Lernenden schlauer zu machen, sondern kenntnisreicher und kenntnissicherer. Das ist etwas anderes, sehr wohl aber ein Wert für sich.

Auch die von Mnemotechnikskeptikern gerne ins Feld geführte Abwertung der "linearen Speicherung" ist zu hinterfragen. Wenn ich zum Beispiel die Tagesschau ansehe, mir die einzelnen Nachrichten mit Hilfe einer "Liste" merke, dazu die Inhalte per Assoziationen, dann ist das doch was. Schaue ich mit normaler Aufmerksamkeit und ohne dieses geistige Werkzeug die Sendung an, bleiben danach nur wenige Inhalte überhaupt im Gedächtnis hängen. Ebenso ist es, wenn ich einen halbstündigen Vortrag anhöre. Es muss ja niemand bei einer solchen Gelegenheit Mnemotechnik einsetzen. Tut er es aber, hat er gehörige Vorteile.

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BeitragVerfasst: Fr 27. Apr 2012, 9:19 
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ernesto hat geschrieben:
Adrian Owen et al: Putting brain training to the test. 
Nature. in dieser wohl umfangreichsten Studie wird eindeutig gezeigt, dass kaum ein lateraler Transfer von erlernten kognitiven Fertigkeiten stattfindet.
So, aber jetzt ist Schluß. Das ist doch alles kalter Kaffee und alles längst bekannt.


Habe im anderen Thread was dazu kommentiert:
viewtopic.php?p=23224#p23224


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BeitragVerfasst: Fr 27. Apr 2012, 9:22 
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ernesto hat geschrieben:
da nützt es Schülern wenig, wenn sie die Liste der Wortarten im Kopf haben. Das hat alles mit Didaktik des Unterrichts zu tun und Wissen, für das mnemotechnische Hilfsmittel notwendig sind, ist IMHO sowieso ziemlich fraglich.

Eine Einstellung die man leider auch von Lehrern öfter hört, die ich aber absolut nicht teile.
Im Gegenteil finde ich es sehr bedenklich, dass Schüler heute immer weniger Wissen aus der Schule mitnehmen und meinen Nachschlagen, Googlen und Wikipedia sei das gleiche wie Wissen.

Es gibt auch genug Studien die zeigen, dass Kreativität und Verständnis eben auch Wissen voraussetzen und sogar die Anweisung einfach nur auswendig zu lernen und das gelernte zu rekonstruieren zu mehr Verständnis führt, als der Versuch über wiederholtes Wissen oder sogar Mind Maps Verständnis zu erlangen.


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BeitragVerfasst: Fr 27. Apr 2012, 10:31 
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Boris hat geschrieben:
Im Gegenteil finde ich es sehr bedenklich, dass Schüler heute immer weniger Wissen aus der Schule mitnehmen und meinen Nachschlagen, Googlen und Wikipedia sei das gleiche wie Wissen.

Das ist voll und ganz meine Überzeugung. Mehr noch: Mnemotechnik gehört in jede Schule und jede Klasse, gehört als Kulturtechnik vermittelt wie Lesen, Schreiben und Rechnen. Wesentliche Defizite der heutigen Schulergebnisse resultieren aus dem falschen Leitgedanken, das Faktenwissen seit Jahrzehnten als nicht wichtig abzutun. Mit einer Umkehr zu neuer Freude am Lernen und Wissenwollen wäre schon viel gewonnen, mehr noch mit der generellen Anerkennung des Wertes der Mnemotechniken für die positive geistige Entwicklung jedes Kindes.

Bernhard Hassenstein, der frühere Freiburger Humanbiologe hatte völlig Recht mit seiner Feststellung: "Wer sein Wissensgut nicht im Kopf hat, hat keine Chance, kreativ damit umzugehen." Es nutzt nichts, dass man jederzeit googeln kann. Wer nicht weiß, dass es nicht weiß, was er nicht weiß, kann sein nicht vorhandenes Wissen natürlich auch nicht nutzen.

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BeitragVerfasst: Di 01. Mai 2012, 20:15 
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Wow,

die Diskussion zwischen Horkas und Ernesto ist ja wirklich interessant zu lesen. Schön, dass sich endlich mal ein Kritiker der Mnemotechniken im BrainBoard verirrt hat und gegenhält. Gern würde ich noch mehr solcher Debatten lesen. Bin für jeden Hinweis (und/oder Link) dankbar!!

Gruß
nacanada

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nacanada = Na, keiner da?

Frage: Wenn du völlig zufällig aus den vorgegebenen vier Antworten eine auswählst, wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass du richtig liegst?

O 25% . . . . . O 50% . . . . . O 0% . . . . . O 25%


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BeitragVerfasst: Mi 02. Mai 2012, 19:47 
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Beiträge: 1664
Ein paar meiner Gedanken zu diesem Thread:

Das Lernen von wenig Informationen ist fundamental einfacher als das Lernen von viel Informationen auf einmal, und zwar ist dieser Unterschied wesentlich größer, als der gesunde Menschenverstand annimmt. Mnemotechniken helfen, diesen Unterschied zu überwinden.

Konsequent angewandte Mnemotechnik macht an sich mehr Spaß, als das dröge Auswendiglernen. Allein das macht schon Sinn.

"Mit Vokabeln lernt man keine Sprache mehr!" Ich weiß nicht woher das jetzt kommt, aber es ist falsch. Nur weil es in der einen oder anderen Sprache schwierigere Aspekte gibt, als die Vokabeln an sich, und die Schule sehr wenige effektive Bi- oder Trilinguisten hervorbringt, heißt nicht, dass das massive Lernen von Vokabeln keine Bedeutung hat. Je schneller die Sprachfertigkeiten aufgebaut werden sollen, desto intensiver sollte das Vokabeltraining sein. Das Tempo in den meisten Schulbüchern oder wie ich es im Gedächtnis habe, ist viel zu langsam.

Die Metapher des Computerspeichers ist der modernen Lerntechnik im Weg: Für Computer ist es einfach, Informationen aufzulisten, aber schwierig, in ihnen zu suchen. Für Menschen sind Suchanfragen in ihren "gespeicherten Informationen" trivial, aber das Aufzählen ist schwierig. Die Locitechnik, allgemein das Verarbeiten von unstrukturierten Informationen mit Listenmethoden, macht für das menschliche Gehirn das Aufzählen leichter. Das Suchen, also das Verwenden der Informationen wird in meiner Erfahrung - und das bestätigen psychologische Experimente - nicht beeinträchtigt.

Warum ist Auswendiglernen heute noch sinnvoll? Ideen und Informationen bleiben nicht brav an ihrem Platz im Gehirn oder Gedächtnis liegen. Erstens haben sie keinen wirklichen Platz, sondern werden "überall" gespeichert und zweitens verhalten sie sich wie Brennstoff in einem Kernreaktor: Sie generieren ab und an neue und alte Ideen, die wie Billardkugeln im Geist herumsausen und die Struktur des Wissens und der Problemlösungskompetenzen verändern. Es reicht nicht immer, zu wissen, wo etwas steht, wenn man mit den Informationen nicht umgehen kann.

Einfaches Beispiel: Wenn ein Patient im Internet eine Diagnose findet, dann kann er sie nur schwer einordnen. Nicht weil ihm die Erfahrung oder das Wissen fehlt, zumindest steht in Wikipedia nicht selten mehr als der Arzt weiß (ernsthaft...), sondern weil Ärzte in der Lage sind, mit medizinischen Informationen umzugehen. Ein Arzt macht aus der Beschreibung eines Krankheitsbilds ein viel reicheres Mosaik an Erkenntnissen, als das ein Laie vermag. Doch das merkt der Laie nicht, da ihm der Zugang zu dieser Welt fehlt.

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Lerntechnik Praxis: http://bit.ly/8ONmbS


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