Brainboard - Gedächtnis, Lernen, Mnemotechnik

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BeitragVerfasst: So 12. Feb 2012, 14:46 
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Superbrain
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Registriert: So 14. Mär 2004, 22:17
Beiträge: 551
Ein Thema, dass mich schon lange interessiert, ist die bewusste Manipulation von täglichen Routinen. Die meisten Menschen handeln jeden Tag auf ähnliche Weise. Dies ist ein natürlicher Mechanismus, der Energie spart. Allerdings schleichen sich dabei häufig Dinge mit ein, die Zeit raubend, ineffektiv und somit ungewünscht sind. Trotzdem ist es sehr schwer, sich auf eine neue Routine einzulassen. Dabei ist viel Selbstdisziplin gefragt sowie Zeit. Es dauert wohl 3-4 Wochen, bevor eine neue Routine gefestigt ist, habe ich mal irgendwo gelesen.

Ich kenne mich mit der Thematik nicht besonders gut aus und bin auch nicht gerade erfolgreich damit, meine Routinen zu ändern. Deshalb habe ich einige Fragen dazu, in der Hoffnung, dass sich unter euch ein paar Experten befinden:

  • Wie ändert man am besten eine Routine? Was muss man beachten? Wie fängt man an?
  • Sollte man immer nur eine Routine am Stück ändern oder gleich den ganzen Tag umplanen?
  • Wie erhält man dabei seine Motivation? In der Regel sind die ungewünschten Routinen ja etwas angenehmes, bequemes und daher recht verlockend. Wie schütze ich mich davor, in alte Muster zurückzufallen?
  • Wie locker sollte man Routinen betrachten? Strikt nach Zeitplan, einen ungefähren Ablauf, nach Lust und Laune?
  • Welcher Rhythmus ist für Routinen sinnvoll? Oder ist der Zeitabstand egal, solange es überhaupt einen Rhythmus gibt?

Vermutlich sind die Fragen individuell unterschiedlich zu beantworten, aber ich denke, dass es schon einen gewissen gemeinsamen Nenner dabei gibt. Deshalb freue ich mich auf eure Antworten.


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BeitragVerfasst: So 12. Feb 2012, 20:41 
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Superbrain
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Registriert: Di 11. Sep 2007, 7:12
Beiträge: 1664
Ich bin auch nicht soo gut darin, Routinen zu verändern. Aber wenn es mir gelingt dann meistens weil ich entweder kleine Schritte mache oder weil ich mir das vorher sehr genau vorstelle wie die Änderung aussieht und überzeugt bin, dass sie wichtig ist. Zum Beispiel hab ich jetzt schon 10 Tage lang die Ergebnisse auf meiner Körperfettwaage notiert und in ein Computerprogramm eingegeben, weil ich überzeugt bin dass ich sonst kein Feedback für meine Diät habe.

Ich glaube niemand ist wirklich gut darin. Es gibt immer Menschen deren Routinen wir bewundern, aber das heißt weder dass es ihnen besonders einfach viel noch dass sie es überhaupt bewusst getan haben. Viele Routinen werden uns von unseren Eltern antrainiert, andere entwickeln sich eher zufällig.


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BeitragVerfasst: Mo 13. Feb 2012, 20:38 
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Superbrain
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Registriert: Do 28. Aug 2008, 19:19
Beiträge: 651
Wohnort: Tübingen
Flauwy hat geschrieben:
Es dauert wohl 3-4 Wochen, bevor eine neue Routine gefestigt ist, habe ich mal irgendwo gelesen.
Richtig. Die Wissenschaft geht davon aus, dass man ca. 30 Tage (+/- je nach individuellen Gegebenheiten/Persönlichkeit) benötigt damit sich ein neues Verhaltensmuster verankert hat, ohne die von dir angesprochene „Veränderungsenergie“ jedes Mal neu abzufordern.

Flauwy hat geschrieben:
Vermutlich sind die Fragen individuell unterschiedlich zu beantworten

Ich kann dir in diesem Zusammenhang folgende Bücher wärmstens empfehlen:

Fang am Besten mit den kleinen Übungen aus
"Neurobics - Fit im Kopf. 83 Übungen zur Leistungssteigerung des Gehirns."

Sind lustig und überfordern am Anfang nicht
http://www.amazon.de/Neurobics-Kopf-%C3 ... -1-catcorr

Ich glaube mich zu erinnern das R. Gamm in seinem Buch „Train your Brain“ auch einige Übungen beschreibt, wie Zähneputzen mit der anderen Hand etc.

Ansonsten mach einfach was ungewöhnliches an einem Tag, nehme einen anderen Weg zur Arbeit/Schule/Uni, versuch mal blind dich anzuziehen – das ist lustig und durchbricht die Routine.

Ich habe z.B. gerade angefangen Einrad zu erlernen, macht tierisch Spaß. ;-)

Ich denke Spaß ist der wichtigste Motivator um die tägliche Routine zu durchbrechen.

_________________
„Die Leistungsfähigkeit des Hirns nimmt zu, je mehr man es in Anspruch nimmt.“
Alfred Herrhausen (1930-1989), dt. Bankier


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BeitragVerfasst: Mo 20. Feb 2012, 21:34 
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Foren-Neuling

Registriert: Mi 30. Jul 2008, 17:53
Beiträge: 2
hi Flauwy,

ich bin jetzt kein Experte oder so, versuche aber trotzdem mal meine Erfahrungen einzubringen.

Ein paar Tipps:

- Langsam und in kleinen Schritten beginnen, die dich erstmal kaum Überwindung kosten: z.B. wenn du Sport machen willst erstmal mit 1x die Woche 30 Min. oder so beginnen, dann erst nach ein paar Wochen steigern (selbst, wenn du das Gefühl hast schon vorher mehr machen zu müssen). Wenn du diese Routine etabliert hast stellt sich schonmal ein Erfolgsgefühl ein, dass dir hilft, auch über kleine Rückschläge hinwegzusehen. Ein weiterer wichtiger Vorteil ist: du hast sozusagen eine Basis angelegt, auf die du in schwierigen Zeiten immer wieder zurückgreifen kannst! Du musst also nicht komplett aufhören, wenn die Zeit knapp wird oder du mal "aus dem Schritt" gekommen bist, sondern kannst wieder auf deine Basisroutine zurückkehren, bis du dich sicherer fühlst.
Ich habe mir z.B. als ich mit dem Gitarrespielen begonnen habe, gesagt, du übst jetzt erstmal jeden Tag mindestens 10 Minuten - und das hat dann auch geklappt (meistens habe ich verlängert, denn wenn man erstmal "über der Schwelle" ist kommt die Motivation von alleine). Wichtig ist, dass du dir eine feste Uhrzeit setzt, damit du dir die Zeit für deine Routine nehmen kannst und nicht irgendwelche Ausreden erfindest. Bei mir funktioniert eine leicht flexible Zeitsetzung am besten, also +/- 1 Std., denn meine Psyche ist in solchen Sachen sehr sensibel und fühlt sich schnell "geknechtet". ;)

- Es ist ganz wichtig, sich zu fragen, warum man umbedingt diese eine Sache tun will, sonst verlierst du schnell die Motivation weil du deine Prioritäten anders setzt oder nach diversen Rückschlägen keinen Sinn mehr in deinem Vorhaben siehst. Überleg dir also genau (am besten mit hinreichend wissenschaftlichen Belegen), welche Vorteile dir x/y bringt und welche Ziele du damit verfolgst. In Einzelfällen kann es hilfreich sein, sich Teilziele zu setzen, um Erfolgserlebnisse zu induzieren und sich bei der Stange zu halten. Fortschritt ist zudem über längere Zeiträume schwer zu fassen, weshalb es in manchen Fällen auch Sinn macht, ein Tagebuch zu führen. Ich habe z.B. mal ein Bodybuilding Tagebuch geführt, in dem ich bei jeder Trainingseinheit dokumentiert hab, wieviel Wiederholungen ich geschafft habe. Da sieht man dann die kleinen Fortschritte, die man sonst übersehen würde weil man nur auf grobe Veränderungen schaut.

- Das mit der Lockerheit ist so ne Sache. Ne gute Freundin sagte mal zu mir "wenn du die Saite zu straff spannst, reißt sie dir, wenn du sie zu locker machst kannst du nicht auf ihr spielen". Also immer ein gesundes Mittelmaß finden, harter Drill funktioniert meist nur in Verbindung mit harten Sanktionen. Musst du selbst wissen, ob du aus dir eine seelenlose Maschine machen willst, die sich irgendwann selbst ausbrennt oder das Leben auch noch irgendwie Spass machen soll. ;) Wenn du natürlich mit Strikten Zeitplänen umgehen kannst (kann ja nur von mir ausgehen), dann um so besser! Ich glaube man kann das nur über lange Zeit für sich selbst herausfinden, wo das richtige Maß ist.

- Was die Rhythmen angeht ist das denke ich stark davon abhängig, was du tust und welche Ziele du dir selbst setzt. Im Kraftsport ist es soviel ich weiss sinnvoll, 1-2 Tage Pause zu machen, damit die Muskeln sich regenerieren können und somit nicht jeden Tag zu trainieren. Bei der Musik ist es zumindest bei mir so, dass ich nach einer Woche schnell wieder draussen bin, also um "warm" zu bleiben würde ich dann lieber häufiger aber nicht unbedingt lange Zeit am Stück spielen (je nach Lust und Laune natürlich, aber ohne zu viel Zwang, es sei denn du willst Profimusiker werden). Wichtig ist meiner Meinung nach, dass du dir für den Anfang nicht zu viel vornimmst, denn sonst verlierst du nach 2-3 Tagen wieder die Motivation. Wichtiger als schnell viel erreichen ist, das erreichte auch halten zu können. ;)

Das wars erstmal von meiner Seite. Ich weiss nicht welche Routinen du ändern willst, ob du was neues lernen willst oder einfach nur morgens früher aufstehen oder nen anderen Weg zur Arbeit/Schule nehmen willst. Insofern kann das was ich hier schreibe natürlich auch vollkommen nutzlos für dich sein. Aber in diesen leichteren Fällen sehe ich auch nicht unbedingt eine große Schwierigkeit. Eine Möglichkeit wäre, wie schon erwähnt, immer mal wieder kleine Dinge anders zu machen. Also statt Kaffee mal Tee trinken, mal vom Bahnhof nachts nach Hause laufen als das Taxi zu nehmen, mal ein Buch über etwas lesen, für das man sich normalerweise nicht interessiert. Wenn du das regelmäßig machst und immer wieder dran denkst, fällt es nichtmehr so schwer, kleine Handlungsmuster zu verändern. Aber auch das ist wohl wieder von Mensch zu Mensch unterschiedlich und hängt natürlich auch stark mit der individuell geprägten Psyche zusammen. Falls dir also eine Sache schwer fällt kann das also evtl. auch daran liegen, dass dir das geprägte Handlungsmuster ein Gefühl von Sicherheit gibt, da du irgendwie als Kind mal mit einer negativen Situation in diesem Zusammenhang konfrontiert wurdest. Aber diese psychischen Reaktionen sind dann eher von Fall zu Fall unterschiedlich und man kann keine allgemeinverbindlichen Ratschläge geben. Ich persönlich mag es, immer mal was anders zu machen oder immer mal neue Sachen auszuprobieren, auch über längere Zeit (oft braucht man dafür nichtmal Routinen, wenn man es locker angeht). So hat das Gehirn immer Abwechslung und das Leben macht mehr Spass, weil man nicht einseitig festgelegt ist und neugierig bleibt.


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 Betreff des Beitrags: Menschliche Qualität
BeitragVerfasst: Mi 06. Jun 2012, 19:16 
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Registriert: Mi 15. Sep 2010, 20:29
Beiträge: 18
Es ist die Frage, womit man weiter kommt:mit sich selbst immer perfekter Austricksen oder mit sich selbst und seinen Kräften ehrlich und achtsam Umgehen. In der Ich-kann-Schule bevorzuge ich das zweite. Ich bin ja der Chef meiner Kräfte, und ein guter Chef sollte seine Kräfte für ihr Tun begeistern. Die Hirnforschung zeigt uns ja gerade aktuell, wie wichtig Begeisterug ist. Mit gesundem Menschenverstand haben das früher viele auch so erkannt. Achte also auf die Qualität, in der du mit dir umgehst! Guten Erfolg!
Franz Josef Neffe


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BeitragVerfasst: Do 07. Jun 2012, 8:39 
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Superbrain
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Registriert: Di 11. Sep 2007, 7:12
Beiträge: 1664
Inwiefern zeigt uns die Hirnfoschung aktuell, dass Begeisterung wichtig ist? Mir klingt das etwas nach einer letztlich bedeutungslosen Floskel... Ich brauch keinen Brainscanner um zu wissen, dass Begeisterung wichtig ist.

_________________
Lerntechnik Praxis: http://bit.ly/8ONmbS


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BeitragVerfasst: Di 03. Jul 2012, 7:44 
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Regelmäßiger Besucher

Registriert: Mo 02. Jan 2012, 8:53
Beiträge: 37
Andi hat geschrieben:
Flauwy hat geschrieben:
Es dauert wohl 3-4 Wochen, bevor eine neue Routine gefestigt ist, habe ich mal irgendwo gelesen.
Richtig. Die Wissenschaft geht davon aus, dass man ca. 30 Tage (+/- je nach individuellen Gegebenheiten/Persönlichkeit) benötigt damit sich ein neues Verhaltensmuster verankert hat, ohne die von dir angesprochene „Veränderungsenergie“ jedes Mal neu abzufordern.



Das ist leider falsch. Hab vor kurzem eine recht neue Studie gelesen. Es dauert je nach Komplexität der Gewohnheit bis zu 200 Tage. Bei einfachen Gewohnheiten wie ein Glas Wasser täglich mehr trinken ging es allerdings deutlich schneller.

quelle: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1 ... 4/abstract


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BeitragVerfasst: Mo 20. Mai 2013, 17:05 
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Foren-Neuling
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Registriert: Fr 17. Mai 2013, 20:21
Beiträge: 4
Sorry wenn ich hier ein altes Thema aufgrabe aber vielleicht interessiert es noch jemanden.

Ich habe positive Erfolge mit der 30-Tage Methode machen können.
Man setzt sich ein Ziel oder mehrere, dass man 30 Tage lang machen möchte, z.B. kein Fernseh gucken, keine Süßigkeiten essen etc.
Am besten wenn man sich noch eine Liste macht, in der man täglich ein Häkchen etc macht um seinen Erfolg zu vermerken.
Ich habe das genau so gemacht, mein Ziel war es täglich zu joggen.
Also nahm ich mir vor 30 Tage lang täglich zu joggen & hatte damit Erfolg.
Es fällt einem leichter sich ein Ziel nur für 30 Tage zu setzen anstatt für immer.
Denn man sagt nicht :" Ich gehe ab jetzt jeden Tag joggen!" denn man weiß dass das schwer realisierbar ist.
Doch wenn man dann mit den 30 Tagen fertig ist, dann sagt man sich entweder :" So ich habe die 30 Tage jetzt geschafft! Wäre ja schade jetzt nach 30 Tagen aufzuhören, also mache ich weiter damit." oder du sagst dir :" So, ich habs geschafft aber das ist nichts für mich!" dann solltest du dir lieber andere Ziele setzen.

_________________
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