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Bücher zur Mnemotechnik - ein subjektiver Überblick

 
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DivineTraube
Stammgast


Anmeldungsdatum: 14.12.2008
Beiträge: 70

BeitragVerfasst am: Mi 14. Jul 2010, 17:38    Titel: Bücher zur Mnemotechnik - ein subjektiver Überblick Antworten mit Zitat

Da ich nun einige Bücher zur Mnemotechnik gelesen habe, möchte ich sie hier ganz kurz und überblicksweise rezensieren und so gut wie möglich in eine relative Bewertungsskala zwängen.

Hirn in Hochform, Markus Hofmann (Ueberreuter Verlag)
Glänzt durch eine sehr eloquente Darbietung des Inhaltes, der fachlich zentriert ist auf die Themenkomplexe Merktechniken, Pyschologie und Neurologie. Diese werden sehr populärwissenschaftlich und ohne großen Tiefgang, dafür sehr unterhaltsam und lesenswert aufbereitet.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 5/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 2/5

Esels Welt, Ulrich Voigt (Likanas Verlag)
Dieses Werk nimmt eine Sonderstellung unter den Büchern zur Mnemotechnik ein, da es als einziges ein konsistentes und zusammenhängendes historisches Bild der Mnemotechnik zeichnet. Andererseits wird in Bezug auf die mnemotechischen Instrumente lediglich eine Teilmenge in subjektiver Durchleuchtung von Ulrich Voigt präsentiert, denen ich persönlich in einigen Punkten widerspreche, in anderen aber bewundernd Anerkennung ausspreche (was zeichnet z.B. eine gute Geschichte aus?). Da teilweise Zitate in Originalsprache diskutiert werden (altgriechisch, lateinisch und französisch) ist eine solide humanistische Bildung Grundvorrausetzung zur Lektüre, die diese aber umso vergnüglicher werden lässt.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 5/5 | Vollständigkeit: 2/5

Warum fällt das Schaf vom Baum?, Christiane Stenger (Heyne Verlag)
In einfacher Sprache werden hier aus Sicht des Gedächtnissports viele Techniken erklärt. Durch eingeflochtene Übungen wird die praktische Komponente nicht vernachlässigt. Inhaltlich absolut deckungsgleich zu den Büchern von Gunther Karsten.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 2/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 3/5

Lernen wie ein Weltmeister, Dr. Gunther Karsten (Goldmann Verlag)
Ganz bewusst konzentriert sich dieses Buch nicht ausschließlich auf die Merktechniken sondern rückt bewusst, den motivationalen und den pädagogisch-didaktischen Aspekt des Lernens in den Mittepunkt. Dadurch ist dieses Buch für Schüler durchaus interessant - wer hingegen die Techniken erlernen möchte, sollte auf das "Erfolgsgedächtnis" vom gleichen Autor zurückgreifen, das die mnemotechnischen Seite des idealen Lernprozesses betont und systematischer darlegt.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 1/5

Erfolgs-Gedächtnis, Dr. Gunther Karsten, Martin Kunz (Goldmann Verlag)
Hier wird das Fundament für die tatsächliche Benutzung der Mnemotechnik gelegt, kompetent werden die einzelnen Techniken beschrieben und durch Übungen nahegebracht. So findet das Buch zu einem guten Kompromiss zwischen Erklärung und geleiteter Einsicht.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 3/5 | Vollständigkeit: 3/5

Garantiert erfolgreich lernen, Christian Grüning (Verlag Grüning)
Ein weiteres Buch in der Reihe jener, die sich bemühen durch ein holistisch angelegtes und heterogenes Sortiment an Techniken das Lernen neu zu ergründen. Dabei kommt ein bunter Mix aus Basismnemotechnik, Speed Reading und Mind-Maps daher, die sich zwar nicht zu einem besonders kohärenten Gesamtkonzept vereinen, aber einen gut lesbaren Überblick bieten.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 2/5

Mega Memory, Gregor Staub (mgVerlag)
Das als MegaMemory vermarktete "Hörbuch-Seminar", präsentiert sich als ein spaßig und interessant aufgemachter Vortrag der vor laufendem Mikrophon gesprochen und scheinbar ungeschnitten wie eine Vorlesung mit Mitmachcharakter die Routen-Methode zum Maß der Dinge und alleinseeligmachendem Götzenbild erhebt. Was die Motivationsfähigkeit betrifft, können wohl nur wenige Herrn Staub das Wasser reichen, was aber die Fundiertheit betrifft, nun ja, Ihr Friseur könnte es Ihnen sicher ähnlich präzise erklären. Der störende Alleinvertretugnsanspruch unter Ausblendung anderer Techniken und wissenschaftlicher Sachlagen kann jedoch nicht verhindern, dass dieses Hörbuch einfach Spaß macht.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 4/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 2/5

Einfach. Alles. Merken, Ulrich Bien (humboldt Verlag)
Hier nun erneut ein Buch, das durch sprachliche Finesse, Witz und klare, umweglose Formulierungen überzeugt. Die Erklärungen decken die nahezu volle Bandbreite aller Gedächtnistechniken ab und schaffen es dabei den Betrachtungsfokus dennoch auf die Praxis und nicht auf den Gedächtnissport zu legen. Zahlreiche Beispiele zur Anwendung, die andernorts schmerzlich vermisst werden, tauchen hierbei auf. Was Ulrich Bien dabei besonders gekonnt vermittelt, ist ein zentraler Punkt den viele andere Autoren übersehen: Bildungs- und Wissenschatz ist der Dreh- und Angelpunkt für das Aneignen neuen Wissens.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 5/5 | Anspruch: 3/5 | Vollständigkeit: 4/5

Memomaster, Dorothea J. Seitz (rororo Verlag)
Getrieben von der Neugier, die das wechselseitige Lobpreisen und Zerreissen dieses Werkes in diesem Forum auslöste, musste ich auch diese Buch lesen und stellte fest: es lohnt sich. In stark autobiographisch angehauchter Aufmachung werden sämtliche Techniken geschildert, die für das Bestreiten einer Gedächtnismeisterschaft notwendig sind. Konventionell, ja, aber in bündiger bis lapidarer Formulierung wird der nötige Grundstock technischer Mittel aufbereitet dargestellt und episodisch eingeleitet. Auch lobenswert zu erwähnen ist eine gute Zusammenfassung der Geschichte der Mnemotechik aus Ulrich Voigts Werk.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 3/5

Zusammenfassung:
Das Buch der Bücher zur Mnemotechnik gibt es nicht und wird es auch in absehbarer Zeit nicht geben. Aber viele kleine Bücher versuchen seit Jahren dieses Thema einer breiteren Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rütteln, bisher ohne Erfolg. Gründe dafür gibt es viele und Ausreden sich nicht mit Mnemotechnik zu beschäftigen noch mehr, aber Material für den Einstieg gibt es genug (und ein bisschen mehr), für die drei Archetypen des Mnemotechnik-Interessierten empfehle ich:
Der Wissensdurstige: Einfach. Alles. Merken
Der Historiker: Esels Welt
Der Gedächtnissportler (to be): Memomaster


Zuletzt bearbeitet von DivineTraube am So 01. Aug 2010, 13:51, insgesamt 4-mal bearbeitet
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Bärline
Superbrain


Anmeldungsdatum: 22.07.2007
Beiträge: 205

BeitragVerfasst am: Mi 14. Jul 2010, 18:46    Titel: Antworten mit Zitat

Sprachliche Qualität Deines Beitrags: 5/5, die anderen Kategorien hinken nicht viel hinterher!

Bärline
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Pat
Superbrain


Anmeldungsdatum: 04.04.2005
Beiträge: 573

BeitragVerfasst am: Mi 14. Jul 2010, 19:19    Titel: Antworten mit Zitat

Versuch einmal das:

Ernest E. Wood, Mind and Memory Training, Hyderabad 1936

http://www.scribd.com/doc/16561511/Mind-and-Memory-Training-Ernest-e-Wood (auch als pdf)

Überzeugend ist er bei den Trivialitäten (Zahlencode, Schlüsselwörter). Seine besondere Qualität erhält das Buch dort, wo Neues geschildert wird. Aus meiner Sicht gibt es diesbezüglich nichts Besseres.

Insbesondere die Erläuterungen zu den "Roads of Thought" als Verbindungen zwischen Bild und Bild bzw. Bild und Ort sind aus meiner Sicht in ihrer Eleganz herausragend, die weit tiefergehenden Komplexitäten bei der Erstellung von Orten, Bildern und Verbindungen scheinen dort durch.

Sprachlich ist er ohnehin in einer eigenen Liga.

Hat meine Sicht und meine eigenen Ansätze durchaus geprägt.
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Andi70012
Superbrain


Anmeldungsdatum: 28.08.2008
Beiträge: 252
Wohnort: Reutlingen

BeitragVerfasst am: Mi 14. Jul 2010, 20:00    Titel: Antworten mit Zitat

DivineTraube hat folgendes geschrieben::

Hirn in Hochform, Markus Hofmann (Ueberreuter Verlag)
Glänzt durch eine sehr eloquente Darbietung des Inhaltes, der fachlich zentriert ist auf die Themenkomplexe Merktechniken, Pyschologie und Neurologie. Diese werden sehr populärwissenschaftlich und ohne großen Tiefgang, dafür sehr unterhaltsam und lesenswert aufbereitet.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 5/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 2/5
---> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 3/5 | Vollständigkeit: 2/5
Vieles aus Grundlagenwerke übernommen, etwa M. Spitzer, H.-J. Markowitsch, G. Staub … Dabei kommen mir die Mnemotechniken zu kurz, gerade mal vielleicht 40% des Gesamtinhalts.
Seine Vorträge, nicht „Hirn in Hochform“, sind 1:1 identisch mit denen von G. Staub, einschließlich Witz, Erklärungen, Darbietung. Finde ich sehr sehr schlecht.

DivineTraube hat folgendes geschrieben::

Memomaster, Dorothea J. Seitz (rororo Verlag)
Getrieben von der Neugier, die das wechselseitige Lobpreisen und Zerreissen dieses Werkes in diesem Forum auslöste, musste ich auch diese Buch lesen und stellte fest: es lohnt sich. In stark autobiographisch angehauchter Aufmachung werden sämtliche Techniken geschildert, die für das Bestreiten einer Gedächtnismeisterschaft notwendig sind. Konventionell, ja, aber in bündiger bis lapidarer Formulierung wird der nötige Grundstock technischer Mittel aufbereitet dargestellt und episodisch eingeleitet. Auch lobenswert zu erwähnen ist eine gute Zusammenfassung der Geschichte der Mnemotechik aus Ulrich Voigts Werk.
--Bewertung--> Sprachliche Qualität: 3/5 | Anspruch: 2/5 | Vollständigkeit: 3/5
---> Meine Meinung kennt ihr ja: http://www.brainboard.eu/phpbb/viewtopic.php?t=2167

Was ist mit den Buzan Büchern? „Nichts Vergessen“, „Gedächtnis ohne Grenzen“ u.a. gehören meiner Ansicht nach zu den Grundlagenwerke. Des Weiteren „Gedächtnistraining: Nie wieder vergesslich“ von Jens dem Denker (Jens Seiler) sehr schön, kurz, prägnant und das Beste in der Preiskategorie mit hoher Qualität.
Darüber hinaus sollte jeder „Lernen zu lernen“ von Metzig u. Schuster gelesen haben. Beste Zusammenfassung von Lerntechniken mit wissenschaftlichem Fundament, ebenso eine gute Vorstellung (einschließlich super Quellenbasis) von Mnemotechniken, jedoch mit eher geringem Vollständigkeitsanspruch (bei Mnemotechniken). Aber für Neulinge in Sachen Mnemonik die „Vorspeise“ mit tollem weiterführenden Literaturverzeichnis. Auch Spitzer „Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens“ ist zu empfehlen, passt aber nur entfernt in deine Bewertungskriterien.

DivineTraube hat folgendes geschrieben::
Der Gedächtnissportler (to be): Memomaster
---> schön geschrieben „Der Gedächtnissportler“, aber nur für diesen. Einem Mnemotechnik-Neuling lieber „Erfolgsgedächtnis“ von Karsten.

@ Doro: Solltest du noch einmal annehmen ich boykottiere dein „Memo Master - Gedächtnistraining mit der Jugendweltmeisterin“ durch meine hier erschienene Rezension, zeigt DivineTraubes Beitrag das genaue Gegenteil: „Getrieben von der Neugier, die das wechselseitige Lobpreisen und Zerreissen dieses Werkes in diesem Forum auslöste, musste ich auch diese Buch lesen und stellte fest: es lohnt sich.“

Das füllt das Doroanische Sparschweinchen aus dem Torgelower Wald Wink Smile, die beste Werbung ist und bleibt die Kritik.
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Mindman
Superbrain


Anmeldungsdatum: 01.05.2006
Beiträge: 377

BeitragVerfasst am: So 01. Aug 2010, 13:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo DivineTraube,

das ist mal ein sehr schöner Überlick von dir. 5/5 !!!
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Haben wir eine Gedächtnisförderung?
Und wenn ja - warum nicht?
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