Brainboard - Gedächtnis, Lernen, Mnemotechnik

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BeitragVerfasst: Di 24. Mai 2016, 18:02 
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Superbrain
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Hallo zusammen,

hier möchte ich euch von meinem Kurs "Gedächtnistechniken" an meiner Schule berichten, den ich unterrichtet habe, einschließlich Feedback der Schüler. Ich hoffe auf rege Diskussionen, Anregungen oder Kritik eurerseits.




Kurstitel (auch so angekündigt):

Neigungskurs Gedächtnistechniken
Pimp your brain – Leichter lernen und Spaß dabei! Techniken zum Auswendiglernen, sicher behalten und trotzdem Spaß haben.

Kursvorstellung zur Kurswahl (für alle interessierten 10. Klässler): Vormachen, dass ich mir eine spontan von den Zuhörern an die Tafel diktierte Zahl schon während des Aufschreibens so merken kann, dass ich sie danach vorwärts und rückwärts aufsagen kann (sogar mit Unterbrechungspause zwischen Merken und Wiedergabe).

Teilnehmer: 8 Mädchen, 1 Junge; 15.-16. Jahre alt (Beginn/Mitte 10. Klasse), Gymnasium

Zeitlicher Verlauf: 9 Doppelstunden, nachmittags, 13:45-15:15 Uhr. Erste drei Doppelstunden im wöchentlichen Abstand, dann größere Abstände, ferienbedingt teilweise von vier Wochen.

Motivation der Schüler: Die Schülerinnen und Schüler mussten einen sogenannten "Neigungskurs" belegen, den sie Ende der 9. Klasse wählen mussten. Prinzipiell konnten sie sich dabei für einen bestimmten Kurs entscheiden, mussten aber auch eine Zweitwahl angeben. Zur Auswahl standen u. a. auch 1.-Hilfe-Kurs, Business-Englisch, Informatik meets Art... usw.

Themen/Inhalt:

1. Grundeinstellung/Haltung => offen für Neues sein, Vertrauen haben, positiv denken
2. Allgemeines zum Gedächtnis
3. Einstiegstest über Geschichtenmethode: Zehn Wörter vorlesen (erste 20 Nachkommastellen von Pi, über Mastersystem in Bilder umgewandelt) => alle in der richtigen Reihenfolge aufschreiben. Danach die zehn Wörter als Geschichte verbunden erzählen => alle in der richtigen Reihenfolge aufschreiben. Ziel: Erfahren, dass die Techniken wirken!
4. Grundregeln des Erinnerns und die 7 Gedächtnisfaktoren (Logik, Assoziation, Visualisierung... usw.)
5. Assoziieren üben => Assoziieren von zwei beliebigen Wörtern/Bildern.
6. Majorsystem
7. Geschichtenmethode (z. B. für Listen oder Formeln)
8. Schlüsselwortmethode => Fremdwörter und Vokabeln
9. Gedächtnisgarderobe (Bilderhaken) über das Majorsystem
10. Routentechnik (erste Route: Körperroute; zweite Route: Fahrrad, Auto, Flugzeug, Pferd ; dritte Route: Klassenzimmer)
11. Leistungen des Gehirns + Datum-Trick
12. Methode für Jahreszahlen und Daten
13. Merksprüche und Merkwörter
14. Mentale Fotografien (Auswendiglernen von Bildern)
15. Übersicht Gedächtnistechniken und wann welche verwendet wird
16. Textlinearisierung (Umwandeln eines Textes in Schlüsselworte, um mithilfe der Gedächtnistechniken diese dann anzuwenden
17. Anwendung auf aktuellen Lernstoff

Dazwischen wurden natürlich immer wieder Übungsphasen geschaltet. Vor allem das Majorsystem wurde in allen ersten Doppelstunden weiterhin geübt.

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BeitragVerfasst: Di 24. Mai 2016, 18:07 
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Superbrain
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Feedback der Schülerinnen und Schüler:

1. Ich fand das Thema Gedächtnistechniken interessant: 5,22 von 6 möglichen Punkten

2. Das Thema Gedächtnistechniken hat mir Spaß gemacht: 4,88 von 6

3. Mir hat die Beschäftigung mit Gedächtnistechniken einen neuen Blick auf das Lernen in der Schule verschafft: 3,7 von 6

4. Hast du die kennen gelernten Gedächtnistechniken schon zur Vorbereitung auf eine Klassenarbeit (Lernen) verwendet?

55 % Ja (nur Routenmethode)

Begründungen:
Nein:
- Schwierigkeiten gelernte Techniken mit schulischem Lernstoff zu verbinden => Themen dafür nicht geeignet
Ja:
- zum Ausprobieren (2 x)
- leichter zu merken
- gut geeignet für den Stoff, funktioniert bei mir am besten
- Vereinfachung und Verschnellerung des Lernprozesses

5. Willst du in Zukunft Gedächtnistechniken zum Lernen des Unterrichtsstoffs verwenden? Begründe deine Antwort.

Ja: 67 % (100 % Routenmethode, 67 % Vokabeltechnik, 50 % Geschichtenmethode, 33 % Majorsystem, 17 % Gedächtnisgarderobe)
Begründungen: Hilfreich bestimmten Lernstoff mit bestimmten Orten zu verknüpfen; langsameres Vergessen, man hat einen roten Faden; leichteres Vokabelmerken; Gutes Merken möglich; Vorbereitung auf GFS (= Referat)

Nein: 11 %
Begründung: dauert länger bei mir

Vielleicht: 22 %
Begründungen: dauert länger als normal mit diesen Techniken etwas zu lernen; kommt auf Fach und Lernstoff an, aber versuche es

6. Ich möchte die Gedächtnistechniken auch außerhalb der Schule verwenden (z. B. Einkaufslisten): 4 von 6 möglichen Punkten

7. Welche Erwartungen hattest du an diesen Neigungskurs? Sind sie erfüllt worden? Erkläre.

- Keine genaue Vorstellung
- Hätte gedacht, dass man sich den Lernstoff noch besser merken könnte
- Neue Lerntechniken, da mir Routenmethode, Geschichten- und Teile der anderen Methoden schon bekannt waren.
- Erwartung neue Methoden zu lernen, mit denen effektiver und vor allem auch schneller gelernt werden kann. Effektiver lernen => gut möglich. Schneller lernen => nein.
- Hilfreiche Tipps bekommen, um verschiedenste Dinge (z. B. Einkaufslisten) auswendig zu lernen. Wurde erfüllt.
- Erwartung Dinge besser auswendig und neue Techniken zu lernen. Erwartungen erfüllt, aber Wunsch diese Techniken besser auf schulisches Lernmaterial anwenden zu können.
- Erwartung sich Vokabeln und komplizierte Formeln schneller und besser zu lernen. Zum größten Teil erfüllt worden.

8. Was hat dir in diesem Neigungskurs bzw. an diesem Thema am besten gefallen?

- Vielfältigkeit
- Viel leichteres Merken von Einkaufslisten mit Geschichten- oder Routenmethode
- Routentechnik und Majorsystem (3 x)
- Vielfalt, so dass für alle etwas dabei war. Vor allem die Einstiege in die Stunden.
- Majorsystem
- Kennenlernen und Anwenden der verschiedenen Techniken, vor allem das Majorsystem.
- Durch praktische Anwendungen der Lerntechniken sehen wie effektiv die Lerntechniken oftmals sind.

9. Was hat dir nicht gefallen / keinen Spaß gemacht?
- Zusätzliches Lernen
- Einmal mehr Nachmittagsunterricht, da in der 10. schon genug Nachmittagsunterricht. Besser, wenn Neigungskurs in der 9. Klasse, da dort mehr Zeit und weniger Nachmittagsunterricht. (2 x)
- Bildmethode, da ich persönlich über hören lerne.
- Das Auswendiglernen der Jahreszahlen mit den dazugehörigen Ereignissen.

10. Was könnte man in Zukunft besser machen? Anregungen?

- Etwas mehr praktische Anwendung an schulischem Lernmaterial.

11. Was du sonst noch zum Neigungskurs Gedächtnistechniken sagen möchtest.

- Ich fand es gut Gedächtnistechniken zu lernen, da sie in Zukunft bestimmt hilfreich sein können.
- Sehr schöne Zeit und hat viel Spaß gemacht. Habe viel durch die Gedächtnistechniken gelernt, nur bin ich mir nicht sicher, ob ich sie im alltäglichen Leben tatsächlich anwenden werde.
- Hat immer Spaß gemacht.

12. Dein persönliches Fazit:

- War eine Erfahrung wert.
- Thema ist für einen Neigungskurs in der Schule sehr passend.
- Sinnvoll, hätte mich ohne den Kurs nicht damit beschäftigt.
- Viele neue Dinge auch über bereits bekannte Techniken gelernt.
- Es war gut, um zu sehen, welche Möglichkeiten des Lernens es noch gibt, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob ich diese Methoden weiterhin anwenden würde.
- Gute Erfahrung, sinnvoll und interessant.
- Das Thema war sehr interessant. Es hat mir viel Freude bereitet. Dankeschön.
- Interessante und gute Erfahrung.
- Interessante und gute Erkenntnisse gesammelt. Und es hat auch immer Spaß gemacht. Nicht alle, aber die meisten Techniken werde ich in Zukunft gut anwenden können!

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BeitragVerfasst: Di 24. Mai 2016, 18:09 
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Superbrain
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Meine Gedanken / mein Fazit / Diskussion:

Zeitlicher Verlauf: Ich halte eine Doppelstunde im wöchentlichen Abstand als sehr gut, da die Schüler dann Zeit haben auch etwas zu üben bzw. man auch beweisen kann, dass man sich auch nach einer Woche noch an Dinge erinnert ohne sie wiederholt zu haben. Längere Abstände sind eher zu vermeiden. Ich halte die Zeit von 9 Einheiten (à 90 Minuten) für recht gut. Sehr viel kürzer sollte es nicht sein, da man sonst nicht in eine Regelmäßigkeit und ein anderes Denken hineinkommt. Außerdem reicht dann die Zeit nicht, um mehrere Techniken einschließlich ausführlichem Üben unterzubringen. Ich denke 10 Einheiten à 90 Minuten als Mindestdauer ist ein guter Richtwert.

Alter der Schüler: Eigentlich halte ich den Zeitpunkt in der 10. Klasse vor den zwei Abi-Jahren für nicht schlecht. Es wurde jedoch deutlich, dass die Schüler in diesem Alter in einem Zwischenalter sind. Sie sind nicht mehr kindlich, aber auch noch nicht selbstsicher genug, um der Fantasie freien Lauf zu lassen. Vielleicht ist das Alter auch schon etwas spät, da das eigene Auswendig-Lernverhalten ja komplett umgestellt bzw. umgedacht werden muss. Ich könnte mir vorstellen, dass Schüler der Klassenstufen 5-7 noch deutlich mehr Spaß an der Sache haben, da sie einfach noch zu mehr abstrusem Blödsinn in der Lage sind. Aber das ist alles recht theoretisch, wenn man das nicht in anderen Altersstufen durchgeführt hat. Allerdings müssen dann auch Kursinhalte und -methoden entsprechend angepasst werden.

Organisationsart: Da sich alle Schüler für einen Kurs entscheiden mussten, war die Freiwilligkeit nicht ganz gegeben. Die Schüler empfanden diesen zusätzlichen Kurs auch als zusätzliche zeitliche Belastung. Ich denke eine komplette Freiwilligkeit würde die Motivation noch einmal erhöhen. Im Grund halte ich Kurse in diesem zeitlichen Umfang für sinnvoll. Vielleicht wäre es jedoch besser, wenn es freiwillige AGs (vielleicht auch mit gemischten Altersgruppen) wären. Dazu kann ich aus mangelnder Erfahrung jedoch nichts sagen. Am sinnvollständen fände ich einen Kurs Gedächtnistechniknen mit durchgängig 1-2 Wochenstunden (Schulstunden) in den Klassen 5, 6 oder 7. Dann kann man die Techniken nämlich kontinuierlich auf anstehende Auswendig-Lern-Probleme, sprich Klassenarbeiten, anwenden und die Techniken bekommen eine ganz andere "Normalitäts-Verankerung", so dass sie nachher vermutlich dauerhaft angewendet werden.

Anwendung der Techniken im schulischen Kontext: Ist die Verwendung von Mnemotechniken an der Schule sinnvoll oder gar notwendig? Ein großes Problem für Anfänger ist weiterhin das Anwenden der Techniken auf konkreten schulischen Lernstoff. Das heißt Schüler wissen häufig nicht so recht wie sie den zu lernenden Stoff so aufbereiten, dass die Techniken verwendet werden können. Häufig steht der schulische Stoff nämlich in kleinen Sinneinheiten, die kognitiv erfasst und in Zusammenhang mit anderen kleinen Sinneinheiten gebracht, also verstanden werden müssen. Selten muss ein Text, eine Abfolge von Worten oder überhaupt eine größere Abfolge linearen Stoffs auswendig gelernt werden. Insofern muss noch die Arbeit geleistet werden, den Stoff entsprechen aufzubereiten, zusammenzufassen (z. B. in größeren Gruppen, um ihn auf Routen zu legen). Als sehr sinnvoll im schulischen Zusammenhang halte ich die Schlüsselwortmethode (Fremdwörter, Vokabeln). Außerdem einfache Assoziationen über Bilder bzw. die Geschichtenmethode. Eingeschränkt die Routenmethode (obwohl am effektivsten). Da man in der Schule selten Zahlen auswendig lernen muss, ist die Majortechnik vermutlich nicht so wichtig, auch wenn stark motivierend ist (höchstens mal Jahreszahlen). Die Technik "Mentale Fotografien" ist sicher auch mal nützlich. Ein großer Punkt ist der zusätzliche Zeitaufwand. Die Schüler sehen, vor allem am Anfang, dass sie mehr Zeit brauchen, um den zu lernenden Stoff entsprechend aufzubereiten. Daher greifen sie eher wieder auf althergebrachtes auswendig lernen zurück. Um diesen Zeitaufwand minimal zu halten, müssen die Techniken geübt und angewendet werden, und zwar so oft wie möglich.


Rückmeldungen zum Bericht? Eure Meinungen? Eure Erfahrungen?

Ich hoffe diese Informationen sind hilfreich für euch und würde mich über einen regen Austausch freuen!

Viele Grüße,
Mindman

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BeitragVerfasst: Di 28. Jun 2016, 22:10 
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Superbrain
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Keinerlei Rückmeldung? Anregungen? Tipps? Diskussion?

Andere Berichte über Kurse an Schulen? Ein Austausch wäre wirklich wünschenswert und nützlich!

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BeitragVerfasst: Mi 29. Jun 2016, 10:40 
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Foren-Neuling

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Tolle Sache das du so einen Kurs auf die Beine gestellt hast, zu meinen Schulzeiten hätte ich mir sowas definitiv gewünscht.
Bei dem Programm hätte ich vermutlich auch heute noch mitgemacht, die Methode zum Mentalen Fotografierens kenne ich garnicht, hast du dazu noch ein paar mehr Informationen?


Ich kann mich erinnern, das ein Kurs von mir, in der 10. Klasse einen Vortrag einer Firma gehört haben, und dort zum Abschluss eines von Tony Buzans Büchern bekommen haben, und die Reaktion war ähnlich wie die in deinem Kurs: Viele waren sehr interessiert von den Methoden, und erkannten auch das Potential, aber eine Anwendung auf schulisches Material wirkte einfach zu mühsam und unrealistisch. Aus meiner heutigen Sicht finde ich das eigentlich schade, weil gerade Schulstoff noch sehr viel Potential dafür bietet die Techniken zu lernen, gerade weil alles kapitelweise serviert wird, und jedes Thema eine längere Zeit besprochen wird.

Aber das kann man als Schüler definitiv nicht erkennen. Bei dem Zeitfenster von 9 oder 10 Einheiten müsste man die Schüler vermutlich erst stark an die Hand nehmen, bevor man sie auf sich alleine stellt. Bei mehr Zeit würde es sich anbieten, das die Schüler von Anfang an selbstständig ihre Geschichten entwerfen, und man als Lehrer nur auf die wichtigen Aspekte hinweist (Alle Sinne einbeziehen, die Verknüpfung deutlich machen, etc).
Und das am besten konkret auf den Lernstoff bezogen
Aber das ist natürlich enormer Mehraufwand, schließlich müsste man dann den Stoff der Schüler vorbereiten, am besten zeitlich abgestimmt zum Unterricht.

Und ich vermisse in der Themenliste Speed-Cards und Gedächnispaläste, aber das ist wohl eine Sache der persönlichen Vorlieben. :D


Die Idee die Gedächtnis-Techniken in früheren Jahrgängen zu halten, halte ich nur insoweit für sinnvoll, das die Techniken deutlich effizienter angewendet werden können im späteren Leben. Allerdings mache ich mir hier Sorgen, das den Schülern dort "nur" die Techniken erfolgreich vermittelt werden, nicht das gesamte Spektrum an wichtigen Erkenntnissen für ein gutes Lernen.
Als Besser als jedes Auswendiglernen durch Brute-Force oder Mnemo-Technik empfinde ich nämlich immernoch das gute alte kritische Nachdenken über ein Thema. Wird in den unteren Jahrgängen also nur vermehrt effizienteres Auswendig lernen trainiert, ist das nicht zwangsweise eine Verbesserung des Lernens. Aber das ist natürlich eine übergeordnet organisatorische Frage, effizienter ist ein Kurs mit den jüngeren Schülern definitiv.


Den wöchentlichen Abstand halte ich auch für sehr gut, häufiger wäre den Schülern vermutlich lästig, und bei längere Zeiten würden die Schüler sich vermutlich kaum damit beschäftigen, letzendlich ist das ja nicht ihr einziges Fach.


Was mich noch interessiert wäre, wie du denn die Übungen gestaltet hast? Ich stelle es mir schwierig vor, insbesonders falls sich größere Kurse bilden, allen ausreichend Möglichkeit zur Kreativität zu geben. Und wie ist das mit Benotung und Bewertung, oder gibt es das nicht in Neigungskursen?


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BeitragVerfasst: Mi 29. Jun 2016, 11:39 
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Superbrain
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Dominik hat geschrieben:
die Methode zum Mentalen Fotografierens kenne ich garnicht, hast du dazu noch ein paar mehr Informationen?

Ich hatte vor vielen Jahren einen Kurs in Italien gemacht, der stark auf Mnemotechniken aufbaute. Dort habe ich die Methode kennengelernt. Letztendlich handelt es sich nur um mehr Achtsamkeit beim Betrachten von Bildern, Beachten von Details. Die Hauptschritte sind folgende:

1. Betrachten: Einen Gesamtblick darauf werfen.
2. Unterteilen: Bild in Bereiche (Sektoren) einteilen, z. B. durch ein darübergelegtes Kreuz.
3. Wahrnehmen: Aufmerksam alle Einzelheiten in jedem Sektor wahrnehmen.
4. Fragen: Sich aktiv Fragen stellen zu den Farben, Positionen... etc. der Bilddetails (Bildgegenstände)
5. Zählen: Alle Details zählen, die sich wiederholen. (z. B. zwei Bäume rechts)
6. Rekonstruieren: Bei geschlossenen Augen das Bild im Kopf rekonstruieren.
7. Überprüfen: Überprüfen, ob die Rekonstruktion korrekt war.

Dominik hat geschrieben:
Aber das kann man als Schüler definitiv nicht erkennen. Bei dem Zeitfenster von 9 oder 10 Einheiten müsste man die Schüler vermutlich erst stark an die Hand nehmen, bevor man sie auf sich alleine stellt. Bei mehr Zeit würde es sich anbieten, das die Schüler von Anfang an selbstständig ihre Geschichten entwerfen, und man als Lehrer nur auf die wichtigen Aspekte hinweist (Alle Sinne einbeziehen, die Verknüpfung deutlich machen, etc). Und das am besten konkret auf den Lernstoff bezogen. Aber das ist natürlich enormer Mehraufwand, schließlich müsste man dann den Stoff der Schüler vorbereiten, am besten zeitlich abgestimmt zum Unterricht.

Das Problem dabei war, dass die Schüler aus drei verschiedenen Klassen mit natürlich unterschiedlichen Lehrern kamen. Sie waren also in den Unterrichtsthemen unterschiedlich bzw. unterschiedlich weit. Intensiv funktioniert das dann nur, wenn man eine ganze Klasse im Kurs hat. Meist sind es jedoch AGs oder Interessenkurse, somit kommen die Schüler aus unterschiedlichen Klassen, womöglich auch aus unterschiedlichen Klassenstufen.

Dominik hat geschrieben:
Und ich vermisse in der Themenliste Speed-Cards und Gedächnispaläste, aber das ist wohl eine Sache der persönlichen Vorlieben. :D

Na ja... in der kurzen Zeit war einfach nicht alles drin. Das Thema "Gedächtnispaläste" ist auch eher etwas für Fortgeschrittene. Außerdem habe ich mich auf Techniken konzentriert, die im schulischen Kontext sinnvoll sind. Das Unterrichtsfach "Kartenspielen" ist mir nicht bekannt :)

Dominik hat geschrieben:
Die Idee die Gedächtnis-Techniken in früheren Jahrgängen zu halten, halte ich nur insoweit für sinnvoll, das die Techniken deutlich effizienter angewendet werden können im späteren Leben. Allerdings mache ich mir hier Sorgen, das den Schülern dort "nur" die Techniken erfolgreich vermittelt werden, nicht das gesamte Spektrum an wichtigen Erkenntnissen für ein gutes Lernen.
Als Besser als jedes Auswendiglernen durch Brute-Force oder Mnemo-Technik empfinde ich nämlich immernoch das gute alte kritische Nachdenken über ein Thema. Wird in den unteren Jahrgängen also nur vermehrt effizienteres Auswendig lernen trainiert, ist das nicht zwangsweise eine Verbesserung des Lernens. Aber das ist natürlich eine übergeordnet organisatorische Frage, effizienter ist ein Kurs mit den jüngeren Schülern definitiv.

Das ist erst einmal die Frage: Hilft das Auswendig-Lernen von vielen begleitenden Fakten nicht auch für das Gesamtverständnis und das verstehende Lernen? Kann man sich nicht besser mit einem Thema auseinander setzen, vorallem kritisch, wenn man die Fakten weiß?

Dominik hat geschrieben:
Was mich noch interessiert wäre, wie du denn die Übungen gestaltet hast? Ich stelle es mir schwierig vor, insbesonders falls sich größere Kurse bilden, allen ausreichend Möglichkeit zur Kreativität zu geben. Und wie ist das mit Benotung und Bewertung, oder gibt es das nicht in Neigungskursen?

[/quote]
Bei den Übungen kann ich glaube ich noch eine Schippe drauf legen, das ganze noch verbessern. Das Problem bei dem Kurs waren häufig große Abstände, d. h. wir haben viel an den Grundlagen geübt.
Einiges z. B. für das Majorsystem, indem ich Themenbereiche vorgab (z. B. Tiere, Hauptstädte, Länder...) und dann dazu Zahlenlisten lieferte, waraus dann die richtigen Wörter gefunden werden mussten. Oder bestimmte Zahlenkombinationen, zu denen dann möglichst viele passende Wörter gefunden werden müssen.
Zu Beginn wurde natürlich das Assoziieren geübt, indem ich Wortpaare vorgab (z. B. Hamster - Kaugummi) und die Schüler mussten sich verknüpfende Bilder überlegen. Diese wurden dann im Plenum vorgestellt und von mir entsprechend qualitativ (d. h. rückmeldend) besprochen.
Zur Schlüsselwortmethode wurden Listen von Fremdwörtern oder unbekannten Vokabeln vorgelegt. Entsprechende Assoziationen dann wieder im Plenum gemeinsam besprochen. Ebenso bei der Routhentechnik, immer am Beispiel von Listen, schlußendlich auch sinnvolle Listen und Dinge (z. B. die 10 Gebote, bedeutende klassische Musiker... mathematische Formeln usw.).
Mit etwas mehr Zeit würde ich noch deutlich mehr die Kreativität fördern. Das ist tatsächlich bei vielen 10.-Klässlern schon ein Problem, dass sie nicht ungewöhnlich genug denken können.

Benotung und Bewertung gab es gar nicht. Das haben mir die Schüler am Ende auch als sehr positiv rückgemeldet, dass sie frei sein konnten. Führte manchmal aber auch dazu, dass sie zuhause wenig bis gar nichts gemacht haben. Benotung halte ich bei diesem Thema eher kontraproduktiv, widerspricht eher der Freiheit der Kreativität und der Mnemotechniken.

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BeitragVerfasst: So 23. Okt 2016, 6:44 
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Foren-Neuling

Registriert: Mo 10. Okt 2016, 20:24
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Finde ich super, dass Du diesen Kurs auf die Beine gestellt hast.

Ich musste mir dies als Schüler noch mehr oder weniger selbst aus Büchern beibringen. War damals durch Zufall in einem englischsprachigen Buch auf Mnemonics gestoßen und irgendwie sofort angefixt. Ganz kurz zu meinen damaligen Erfahrungen:

[list=]Lehrer kannten es nicht.
Die, die es kannten, hielten es für Unsinn.
In der Schule hat es mir sehr lange nichts gebracht, weil mir der Transfer auf den Unterrichtsstoff nicht gelang.[/list]

Letzter Punkt ist vielleicht auch ein Ansatzpunkt, um solche Kurse noch effektiver zu gestalten?


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BeitragVerfasst: So 23. Okt 2016, 12:07 
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Superbrain
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Registriert: Mo 01. Mai 2006, 14:40
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Wohnort: Baden-Baden
Zitat:
In der Schule hat es mir sehr lange nichts gebracht, weil mir der Transfer auf den Unterrichtsstoff nicht gelang.

Ja, das ist tatsächlich das Hauptproblem, das Anwenden der Techniken bei konkretem Lernstoff. Problematisch dabei ist jedoch oft, dass die Schüler das als zu aufwendig ansehen bzw. sich schwer darauf einlassen können, die neuen Techniken zu verwenden, statt die Infos wie bisher stur auswendig zu lernen. Ich denke das ist zu großen Teilen Übungs- bzw. Gewöhnungssache. Insofern müsste man die Techniken konsequent eine Zeit lang anwenden.

Gruß,
Mindman

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BeitragVerfasst: Mo 24. Okt 2016, 19:02 
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Foren-Neuling

Registriert: Mo 10. Okt 2016, 20:24
Beiträge: 6
Mindman hat geschrieben:
Zitat:
In der Schule hat es mir sehr lange nichts gebracht, weil mir der Transfer auf den Unterrichtsstoff nicht gelang.

Ja, das ist tatsächlich das Hauptproblem, das Anwenden der Techniken bei konkretem Lernstoff. Problematisch dabei ist jedoch oft, dass die Schüler das als zu aufwendig ansehen bzw. sich schwer darauf einlassen können, die neuen Techniken zu verwenden, statt die Infos wie bisher stur auswendig zu lernen. Ich denke das ist zu großen Teilen Übungs- bzw. Gewöhnungssache. Insofern müsste man die Techniken konsequent eine Zeit lang anwenden.

Gruß,
Mindman


Das, und noch ein weiteres Problem:
Ich habe in der Retrospektive den Eindruck, dass ich damals noch nicht abstrakt genug denken konnte, um diese Techniken tatsächlich auf den Lernstoff anwenden zu können. Ich glaube mich hat dies damals eigentlich überfordert und möchte behaupten, heute gelänge es mir wesentlich besser.
Bin gerade am überlegen ob ich mir neben dem Job eine neue Herausforderung suche und einen weiteren Studienabschluss erwerbe – würde vor allem gerne ausprobieren ob mir Mnemonics heute wirklich so viel helfen wie ich erwarte. Gibt es irgendwelche Bücher, die sich gezielt auf Mnemotechniken eines bestimmten Studiengangs konzentrieren? So zu sagen "Mnemotechniken für BWLer" oder "Mnemotechniken für Mediziner"?


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BeitragVerfasst: Do 03. Nov 2016, 21:28 
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Superbrain
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Zitat:
Gibt es irgendwelche Bücher, die sich gezielt auf Mnemotechniken eines bestimmten Studiengangs konzentrieren? So zu sagen "Mnemotechniken für BWLer" oder "Mnemotechniken für Mediziner"?

Leider kaum. Ich kenne nur etwas für Juristen. Das ist eine große Lücke in der Literatur. Ich selbst habe eine vage Idee im Kopf für ein Buch, welches die Mnemotechniken konkret für das Lernen von Chemie, anwendet. Also nichts Allgemeines, das gibt es wie Sand am Meer, sondern etwas systematisches, speziell für die einzelnen konkreten Inhalte der Chemie, also echt Vorschlägen zur Mnemorierung bestimmter chemischer Inhalte. Aber es bedeutet eben viel Arbeit. Bisher bin ich noch nicht dazu gekommen.
Einige Mnemotechniker halten die Herangehensweise jedoch für falsch, also dass der Lerner sich nicht selbst etwas ausdenkt, wie er die Techniken auf den Stoff anwenden kann, sondern dass einfach schon Möglichkeiten vorgegeben werden.

Ah... ich vergaß, für Mediziner gibt es schon etwas von Andreas Klostermann. Seine Website scheint aber gerade down zu sein.

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