Brainboard - Gedächtnis, Lernen, Mnemotechnik

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 Betreff des Beitrags: Lernen lernen und Lernen lehren
BeitragVerfasst: Mo 25. Feb 2019, 11:58 
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Foren-Neuling

Registriert: Mi 16. Aug 2017, 11:17
Beiträge: 8
Die ganzen Taktiken und Techniken sind super, versteht mich nicht falsch. Aber ich finde ich sitze mit dem Wissen auf einem sehr hohen Stuhl und ganz viele andere sitzen auf dem Boden. Ich würde gerne mein Wissen weitergeben - ich denke gerade an Nachhilfeschulen etc. würde das helfen. Vielleicht könnte ich auch Nachhilfelehrer lehren? Das sind ja oft Studenten, die zwar fachlich Ahnung haben, aber didaktisch weniger. Da können Lerntechniken sicher auch hilfreich sein.

Was sagt ihr?


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 Betreff des Beitrags: Re: Lernen lernen und Lernen lehren
BeitragVerfasst: Do 07. Mär 2019, 10:09 
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Stammgast

Registriert: Do 03. Jan 2013, 18:24
Beiträge: 61
Wissen weiterzugeben ist erstmal gut. (Auch wenn das Forum leider fast tot zu sein scheint.)

Problematisch dürfte sein, dass es dann nicht angewandt wird. Oder falsch angewandt. Zudem lernt der Schüler heute, dass Lerntechniken nicht funktionieren und er zudem gar nicht lernen soll.

Nehmen wir einen Schüler, der im Unterricht von der Lernkartei hört und sicher in den meisten Fällen das Grundprinzip verstanden hat. Dann geht es an die Umsetzung. Da kommen dann die Hürden. Gerät er an einen der viel zu klein dimensionierten kommerziell vertriebenen Vokabelkästen mit vorgedruckten Karten, oft von Eltern gekauft, die sich kümmern, ist das schon torpediert. Kontrolliert der Vater am Wochenende, indem er Karten herauszieht, weil das ja ein so einfacher Weg dazu ist, ist es torpediert. Sich normal entwickelnde Kinder toben und spielen sich Streiche. Hat er also aus einem Schuhkarton oder Pappe eine Leichtbau-Kartei gebaut, wie empfohlen, oder besitzt er eine Kartei, die nicht abschließbar ist, wird es im Laufe der Zeit meist torpediert. (Der einzige in unserer Jahrgangsstufe, bei dem die Kartei nicht irgendwann flöten ging, hatte seinen Kasten als Laubsägearbeit erstellt, fest mit Winkeln verschraubt und mit einem Schloss gegen die kleinen Schwestern versehen. Meine ging damals beim Putzen drauf. Im Gegensatz zu anderen hatte meine Mutter die Karten nicht weggeworfen. Ja, das kam vor. Aber beginn in dem Alter mal ein solches Großprojekt von vorn.) Wirft der Schüler schließlich die Karten weg, die die Kartei verlassen, wie immer noch empfohlen, betreibt er damit aktives Vergessen und torpediert sich selbst. Da er also bei der Umsetzung allein gelassen wird, funktioniert es nicht richtig.

Und von der Mnemotechnik werden marktschreierisch Wunderdinge versprochen, die sie gar nicht leistet. Auch da findet ein Schüler schnell heraus, dass es nicht funktioniert.

Und dann sollen Schüler nicht mehr lernen, sondern sich Dinge ableiten. Das funktioniert nicht, weil nicht alles Wissen abgeleitet werden kann und in Prüfungen dort, wo es geht, keine Zeit dafür ist: Es muss gewusst werden, obwohl der Lehrer behauptet hat, dass das nicht der Fall ist. Hat dann auch noch den Nachteil, dass der Schüler den Lehrer für einen Lügner hält. Außerdem merken viele Lehrer dann selbst nicht, dass ein Modell, anhand dessen sich der Schüler etwas klar machen soll, schon eine Merkhilfe ist. Das lustigste sind Geschichtslehrer, die sagen, dass man Daten auch aus den Ereignissen ableiten kann, wenn man sich genug auskennt: Da wird nicht realisiert, dass hier die Geschichte als Loci-Route oder gar als Gedächtnispalast dient und Schülern auch auf dem Gymnasium heute gar nicht mehr genug Wissen dazu vermittelt wird.

Lernen ist eben eine Tätigkeit, die praktisch eingeübt werden muss. Da braucht es neben der Wissensvermittlung auch praktische Anleitung.

Dann wird an der Schule vieles nur exemplarisch, fragmentarisch also, gelehrt. Da geht es nur um Methoden und Typisches, keine einzelne Lehrinhalte. Neben dem Nachteil, dass unser Schüler dadurch alles über einen Kamm scheren beginnt, ist auch oft das zu lernende Einzelwissen, dass natürlich immer noch verlangt wird, nicht erkennbar oder gar nicht ausreichend beleuchtet. Das eigentliche ist aber, dass der Schüler mit Wissen hantiert, mit dem er in dieser Phase problemlos umgehen kann, wodurch ein Lernen unnötig erscheint. Wird nicht gegengesteuert, vergisst er es schon beim nächsten Thema. (Mal ganz abgesehen davon, dass man bei so unterrichteten Fächern keinerlei Wissen voraussetzen kann. Und warum haben wir wohl immer weniger naturwissenschaftlich Interessierte? Um sich in einem Thema wohl zu fühlen, bedarf es eben eines gewissen Kenntnisstands oder einer gewissen Einübung, je nachdem um welches Thema es geht.)

Wenn du dich auf so etwas einlässt, geht es also um mehr als Wissensvermittlung.


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