major system

Hierein gehört alles was die Geschichte und Methoden der Mnemotechnik betrifft. Z.B. Was ist die Geschichtenmethode? Was sind Routen? Des Weiteren geht es auch um die historische Betrachtung und Analyse der Mnemotechnik.


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Ulrich Voigt
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major system

Beitrag von Ulrich Voigt »

Wie erklärt man das major system?

Seit den Zeiten des Aimé Paris gibt es zwei Richtungen. Die eine betont die Buchstaben (A), die andere die Laute (B).

Beispiel für (A) ist Gunther Karsten, Erfolgsgedächtnis, 2002, S. 90 f., Beispiel für (B) ist Bob Burg, The Memory System, 1992, p. 84 f.

Aus Sicht von Aimé Paris, auf den das major system ja zurückgeht, beruht (A) auf einer oberflächlichen Auffassung, um nicht zu sagen, auf einem Missverständnis. Allerdings gestaltet sich die ausführliche Erklärung des Systems bei (A) viel leichter als bei (B).

Es ist dies ein weniger gut gelungener Passus in dem Buch von Karsten, der außerdem auch noch major system als Master-System eindeutscht ohne gleichzeitig klarzustellen, dass major ein Hinweis auf den Major Beniowski ist, einem Schüler von Aimé Paris, der das System in den 40ger Jahren des 19. Jahrhunderts in England populär gemacht hat.
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Ulrich Voigt
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Re: major system

Beitrag von Ulrich Voigt »

Wie merkt man sich das major system?

Die Anordnung der Buchstaben, durch welche die gemeinten Laute repräsentiert werden, stammt nicht von Aimé Paris, sondern von Gregor von Feinaigle und ist bereits mnemotechnisch motiviert: t ähnelt der 1, n ähnelt 2, m ähnelt 3, L = 50, r = letzter Buchstabe von vier und four, usw. Daher wurde die Zuordnung immer dementsprechend erklärt.

Bei Harry Lorayne, How to develop a super-power Memory, 1961, das ich leider nur in der portugiesischen Fassung von 1986 kenne, findet sich auf p. 51 zusätzlich eine 10-Garderobe von passenden Wörtern (10 palavras de fixação), nämlich teia Noé mãe rio lei chá cão ovo boi tosse.
Es ist dies die erste ernsthafte Anwendung des major systems bei Lorayne und sie hat den Sinn, dass diese Wörter für den entsprechenden Laut stehen. Lorayne schreibt (sinngemäß):
Wir benötigen, um die einstelligen Zahlen durch Wörter darzustellen, einsilbrige Wörter, die nur diesen einen konsonantischen Laut beinhalten. (p. 50)
Nun ja, da die genannte Liste nicht von 0 bis 9, sondern von 1 bis 10 läuft, muss man für 10 = tosse hinzufügen: Gesucht war ein zweisilbriges Wort mit genau diesen beiden konsonantischen Lauten.
Wie man bei 8 = ovo sieht, stieß er dabei auf ein Problem, denn seine Forderung lässt sich hier nicht erfüllen. Ovo ist zwei- statt einsilbrig und hat einen vokalischen Anfang. Ich habe die englische Originalausgabe nicht gesehen, vermutlich gibt es aber auch dort Probleme.

Ich habe mir daher im Deutschen eine Liste erstellt, die den Anforderungen entspricht: See Tau Noah Mao Reh Leu Joe Kuh Fee Po (Auf Tasse = 10 kann ich hier verzichten.)

Und dann hatte ich noch eine Idee, nämlich diese Liste nicht nur als erste Anwendung des major systems zu benutzen, sondern zum Erlernen des Systems. Auf die Idee war ich gekommen durch den Gedanken Loraynes, den Laut durch das entsprechende Wort zu repräsentieren. Spricht man die Wörter meiner Liste, so ist man ganz und gar auf den richtigen Laut konzentriert, denn eigentlich wären das lauter perfekte Buchstabennamen im Sinne des griechischen Alphabets (bei dem die Buchstabennamen stets dieser Anforderung genügen, was bekanntlich bei unseren Buchstabennamen nicht der Fall ist, z.B. heißt der Buchstabe M nicht etwa Müh oder Muh, sondern Em).
Damit nun diese Liste als Repräsentantenliste nicht nur der zehn Laute, sondern auch der zehn Ziffern funktioniert, müssen die zehn Gegebenheiten einzeln mit den entsprechenden Ziffern verknüpft werden, etwa nach dem Prinzip „Das Reh hat vier Beine = In der Vollversammlung der Tiere repräsentiert das Reh die Vierbeiner“ oder „Die Fee erfüllt immer gerne gleich acht Wünsche = Diese Fee trifft man höchstens mal auf der Achterbahn“.
In der Literatur fand ich nur Ursula Höntsch, die auf diesem Wege unterwegs war. In Mnemotechnik – Wege zum Supergedächtnis (1990), S. 129 gibt sie die Zahlkennwörter See, Zoo Tee, Tau Noah Möwe, Oma Reh Löwe Schuh Kuh Pfau, Fee Bau, Po. Auch Ursula Höntsch hatte Harry Lorayne gelesen. Sie kam aber nicht über ihn hinaus und nahm sogar zweisilbrige Wörter (Löwe) wie auch Wörter mit vokalischem Anfang (Oma) in Kauf.
Diese „meine“ Methode, das Erlernen des major systems an zehn perfekte Wörter zu binden, so dass das Erlernen des Systems und das Erlernen einer nützlichen 10-Garderobe in einem Atemzug geschieht, habe ich in Esels Welt (2001), S. 175 veröffentlicht. Auf die übliche Methode, die Ähnlichkeiten zwischen den Buchstaben und den Ziffern oder den Namen der Ziffern als Hilfe zu benutzen, gehe ich dort gar nicht erst ein.
Seitdem begegnen mir gelegentlich Darstellungen in der Literatur, die auf meiner Linie sind, z.B. jetzt gerade bei Ulrich Bien, Einfach. Alles. Merken. (2011) S. 151. Kein einziger dieser Autoren kam aber auf die Idee, dass er sich dabei auf mich beziehen müsse oder könne. Vielmehr kommen die Dinge immer als geniale Neuerfindungen oder einfache Selbstverständlichkeiten daher und zugleich, da der Gedanke nicht voll erfasst oder nicht konsequent aufgenommen wird, in etwas verwässerter Form.
Hansolka
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Beitrag von Hansolka »

Siehe nächstes Posting.
Zuletzt geändert von Hansolka am So 30. Okt 2011, 20:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitrag von Hansolka »

Lorayne:
teia Noé mãe rio lei chá cão ovo boi tosse.
(Zero) - Tie - Noah - Ma - Rye - Law - Shoe - Cow - Ivy - Bee - Toes.

Leider hat Lorayne seine amerikanischen Vorgänger D. Roth (1918) und B. Zufall (1940) nicht erwähnt. Sein Literaturverzeichnis ist wahrlich üppig.

Majorsystem:
Eine gern angeführte - aber falsche - Erklärung der Herkunft von Major-System ist "major" als Synonym für "bedeutend".

Major:
Bartłomiej Beniowski (geb. ca. 1800, gest. 1867)
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Ulrich Voigt
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Beitrag von Ulrich Voigt »

Hansolka hat geschrieben:Lorayne: (Zero) - Tie - Noah - Ma - Rye - Law - Shoe - Cow - Ivy - Bee - Toes.
Danke für die Information!

Wie man sieht, besteht dieselbe Hässlichkeit wie im Portugiesischen: ivy hat zwei Silben und einen vokalischen Anfang ebenso wie ovo. Toes ist auch ungünstig, denn es ist ein Plural, das Wort heißt eigentlich toe. Eine perfekte major Garderobe gibt es gar nicht in allen Sprachen.
Klaus Horsten
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Beitrag von Klaus Horsten »

Wenn man nun den "Major"-Zahlencode, den wir verwenden, nach dem Ersteller benennen will, wie muss man ihn dann korrekt benennen?

Aimé-Paris-Zahlencode?

("Major" ist hier übrigens die Rangstellung im Militär, soweit ich weiß.)
Klaus Horsten
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Beitrag von Klaus Horsten »

Klaus Horsten hat geschrieben:Leider hat Lorayne seine amerikanischen Vorgänger D. Roth (1918) und B. Zufall (1940) nicht erwähnt. Sein Literaturverzeichnis ist wahrlich üppig.
Ich verstehe, dass Verlage auf Fußnoten verzichten. Der Text wird besser lesbar. Die Unterbrechungen des Leseflusses fallen weg. Ein Literaturverzeichnis mit dem Wichtigsten genügt - dann weiß der Leser, wen der Autor gelesen hat. Wenn es dann noch annotiert ist, umso besser.
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Ulrich Voigt
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Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:("Major" ist hier übrigens die Rangstellung im Militär, soweit ich weiß.)
Beniowski war ein polnischer Emigrant, der sich als "Major Beniowski" ansprechen ließ. Es ist meines Wissens ungeklärt, ob er wirklich diesen militärischen Rang hatte - und in welcher Armee?

In Esels Welt habe ich diese Bezeichnung noch vermieden, jedoch habe ich mich derweil auch an den üblichen Sprachgebrauch angepasst und sage also neuerdings "major system". Den Schritt vom major zum Master mache ich aber nicht mit.
Hansolka
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Beitrag von Hansolka »

Klaus Horsten hat geschrieben:
Klaus Horsten hat geschrieben:Leider hat Lorayne seine amerikanischen Vorgänger D. Roth (1918) und B. Zufall (1940) nicht erwähnt. Sein Literaturverzeichnis ist wahrlich üppig.
Ich verstehe, dass Verlage auf Fußnoten verzichten. Der Text wird besser lesbar. Die Unterbrechungen des Leseflusses fallen weg. Ein Literaturverzeichnis mit dem Wichtigsten genügt - dann weiß der Leser, wen der Autor gelesen hat. Wenn es dann noch annotiert ist, umso besser.
Das war Ironie. Es gibt kein Literaturverzeichnis.

Immerhin schreibt H.L:
The PEG system will show you how to count with
objects (which can be pictured) instead of numbers. This
is not a particularly new thought. It was first introduced by
Stanislaus Mink von Wennsshein along about the year
1648. In the year 1730, the entire system was modified by
Dr. Richard Grey, of England, who called the idea, letter
or "number equivalents." The idea was great, but the
method just a bit clumsy, because he used vowels as well
as consonants in the system. Since 1730, however, many
changes have been made, although the idea is basically
the same.
Zuletzt geändert von Hansolka am Di 01. Nov 2011, 13:48, insgesamt 1-mal geändert.
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Hansolka
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Beitrag von Hansolka »

Ulrich Voigt hat geschrieben:
Klaus Horsten hat geschrieben:("Major" ist hier übrigens die Rangstellung im Militär, soweit ich weiß.)
Beniowski war ein polnischer Emigrant, der sich als "Major Beniowski" ansprechen ließ. Es ist meines Wissens ungeklärt, ob er wirklich diesen militärischen Rang hatte - und in welcher Armee? ...
B.B. war Arzt und Major der Polnischen Armee im Polnisch-Russischen Krieg 1830/1831.

BTW:
B.B. entwickelte ein alternatives Alphabet für Englisch. Sein Ziel war ein mit geringem Aufwand les- und schreibbares Englisch.
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Beitrag von Klaus Horsten »

Wäre nun "Aimé-Paris-Zahlencode" korrekt?
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Ulrich Voigt
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Beitrag von Ulrich Voigt »

Hansolka hat geschrieben:B.B. war Arzt und Major der Polnischen Armee im Polnisch-Russischen Krieg 1830/1831.
Meine Kenntnisse über Beniowski habe ich aus Hrees, An edited History of Mnemonics, usw. Vol 5, p. 872 ff.

Demnach war Beniowski Teilnehmer an einem Kurs gewesen, den Aimé Paris in Paris abhielt. Den Titel "major", mit dem er sich anreden ließ, scheint man mit einer gewissen Skepsis aufgenommen zu haben, ebenso seinen Anspruch, 18 Sprachen fließend zu sprechen. Hrees lobt ihn als Lehrer und Anreger und Innovator. Beniowski scheint in die Kategorie "Gedächtnistrainer" zu gehören und ist, wenn man z.B. Vera Birkenbiehl als Maßstab nimmt, eine recht modern anmutende Gestalt.

Seine Bücher habe ich aber leider nicht in die Hand bekommen.

Welche weiteren Informationsquellen gibt es außer Hrees?
Hansolka
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Beitrag von Hansolka »

z.B.
http://historicalpassages.blogspot.com/ ... rtist.html
Die erwähnte Beteiligung an den Newark-Unruhen ist allerdings m.W. nicht belegbar. Auch, dass er für den Zaren als Agent in England gearbeitet haben soll, ist wohl unbestätigt.
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Beitrag von Ulrich Voigt »

Herzlichen Dank!
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Ulrich Voigt
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Re: major system

Beitrag von Ulrich Voigt »

Ist das major system noch aktuell?

Horst Kasper, Mnemotechniken im Unterricht, (2011), S. 41: "Von Vera Birkenbiehl stammt die Idee mit den thematischen Begriffen zu allen Buchstaben des Abcs. Nehmen Sie sich fünf Minuten (oder auch nur zwei) für ein Abc der Tiere, der Pflanzen, der Berge, der Flüsse, der Städte, der Länder der Erde, der historischen Persönlichkeiten, der Nachnamen, der Vornamen, usw." In der Tat empfiehlt Birkenbiehl, alles Memorieren mit Hilfe eines erweiterten Stadt-Land-Fluss - Systems zu unternehmen. In Das innere Archiv (2005) empfiehlt sie, 15 bis 25 solcher Listen zu kennen und gibt solche Listen explizit an.

Kasper (2011) benutzt eine Liste von 20 Zahlbildern nach dem Prinzip Schwan = 2 und Zwerg = 7, außerdem eine Liste von 10 Körperteilen und eine Liste von thematisch konzipierte Örtlichkeiten aus jeweils 10 Örtern (wie z.B. dem Musiksaal oder der Turnhalle seiner Schule). Die Idee stammt von Gregor Staub.

Sowohl Birkenbiehl wie auch Kasper (= Staub) arbeiten also mit einer großen Garderobe, die sie aus kleinen zusammensetzen. Bei Birkenbiehl käme man insgesamt auf eine 650 (= 25 x 26)-Garderobe, bei Kasper auf eine 100-Garderobe.

Nun soll man darin erstens geniale Neuerfindungen sehen, zweitens den Fortschritt erkennen.


Kasper (S. 74, Anm. 19) schreibt: "Eine andere Methode ist das altbekannte Major-System, mit dem auch heute noch viele Gedächtnistrainer arbeiten. Die Staub`sche Methode ist mit ihrer Orientierung am Bildergedächtnis diesem System deutlich überlegen und besonders für Jugendliche wesentlich leichter zu erlernen und selbständig umzusetzen. Auch für Lehrer, die sich autodidaktisch mit den Mnemotechniken vertraut machen, bieten sich eindeutige Vorteile."

Hier wird das Major-System also als alter Hut abgetan, über welchen der Staub`sche bzw. Birkenbiehl`sche Fortschritt hinweggegangen sei.

Für Kasper ist aber das einzige Argument für diese Meinung die Schwierigkeit, das Major-System zu erlernen. Der Hinweis auf das Bildergedächtnis ist nämlich unsinnig.

Schaut man sich dann die Praxis an, so tun sich Probleme auf.
Erstens ist das Erlernen dieser Listen gar nicht so einfach. Kasper schreibt: "Prägen Sie sich die Zehnerlisten, also die Überschriften in der richtigen Reihenfolge ein. [...] Nun gilt es, das neue Instrument, die Hunderterliste, möglichst ständig zu ünutzen. Das bedeutet üben, üben, üben!"
Ja. Man übt sich die Listen ein und kann sie dann der Reihe nach aufsagen. Da es im Hintergrund aber keinen Code gibt, hat man keine Kontrolle, die vor Verwechslungen schützt (wie beim major system). Auch gibt es keine Hilfe dafür, die Nr. x direkt zu finden, vielmehr geht man erst einmal in den richtigen Raum, etwa den Musiksaal, und zählt dann dorthin, es sei denn, man hätte sich durch die vielen vielen Übungen daran gewöhnt, sich in den jeweils zehn Gegebenheiten ohne die Notwendigkeit des Hinzählens zu orientieren. Noch schwieriger ist es bei den ABC-Listen Birkenbihls, denn sie umfassen ja immer gleich 26 Begriffe und nicht nur 10.

Ich habe nicht verstanden, wie diese Leute denken können, sie hätten einen Fortschritt erzielt.

Ich empfinde den Anspruch Birkenbiehls und Staubs, neue Methoden zu besitzen, so, wie er formuliert wird, als überzeichnet. Thematische Alphabete gab es schon im Spätmittelalter, der Körper als Gedächtnisort ist auch eine alte Eingebung, die Installation von numerierten Routen durch die vertraute Umgebung ist ebenfalls uralt. Schon hätte ich Lust, auf eine meiner eigenen Erfindungen hinzuweisen: "Personen als Hausnummern" (Esels Welt S. 229 f.) löst das in der überlieferten Mnemotechnik nur sehr unbefriedigend beantwortete Problem der effektiven Numerierung der Routenpunkte.
Klaus Horsten
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Beitrag von Klaus Horsten »

Jetzt weiß ich immer noch nicht, wer unsere Hochsprache unter den Dialekten des Zahlencodes als Erster erstellt hat.
Tiffi
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Beitrag von Tiffi »

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, daß es sich bei genannter Person um Frau Vera Felicitas Birkenbihl handelt.
Da hat sich wohl der Tippfehler eingeschlichen. :wink:

MfG

Tiffi
Horkas
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Re: major system

Beitrag von Horkas »

Danke für die Richtigstellung, Tippi. In Horst Kaspers Buch (S. 41) ist der Name der Name Birkenbihl übrigens richtig geschrieben.
Zu allen wirklichen Abenteuern gehört, dass man einen Schatz sucht.
David Loye
Horkas
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Re: major system

Beitrag von Horkas »

Pardon, Tiffi. Richtig geschrieben soll's schon sein.
Zu allen wirklichen Abenteuern gehört, dass man einen Schatz sucht.
David Loye
Horkas
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Re: major system

Beitrag von Horkas »

Die Diskussion zu diesem Thema erinnert mich an eine alte Medizinerweisheit: Wer heilt, hat Recht! Man könnte sie getrost auf das Lernen übertragen, das würde vielleicht manchen Diskussionen etwas Gift und Hitze nehmen: Wer lernt, hat Recht! Ich halte mich im Zweifel gerne an diesen Spruch. Wer mit Major erfolgreich lernt, hat recht! Und wer es besser mit der Locitechnik kann, hat auch recht. Horst Kasper zum Beispiel hat als Lehrer (zufällig) eher viele andere der nützlichen Mnemotechniken kennen gelernt und erst ziemlich spät, nach vielen Jahren der praktischen Arbeit mit diesen, auch die Majortechnik. Er beschreibt, wie er sich angesichts der pädagogischen Krise Ende der 1970er Jahre der Frage zu stellen begann: Was gibt es außerhalb des Systems (Schule) an hilfreichen Möglichkeiten, das Lernen und die Ergebnisse der schulischen Arbeit zu verbessern? Die Not der (öden) Praxis, nicht der Blick aus dem Elfenbeinturm war die Triebfeder. Die Erfolge gaben ihm recht.
Es gibt in diesem Forum offenbar eine Menge kenntnisreicher Mitglieder, was das Wissen der Hirnforschung über Lernen und Gedächtnis angeht. Es gibt aber auch viele, die sich unbeeindruckt von solchen Erkenntnissen ganz, einige vielleicht ausschließlich, auf die Erfahrungen aus 2500 Jahren Mnemotechnik stützen. Das ist – jeder hat seine individuelle und unverwechselbare Entwicklung – völlig in Ordnung. Aber man sollte wissen, wo man selbst steht. Dass der Mensch in der Regel mit einem ausgesprochen guten Ortsgedächtnis ausgestattet ist, bestätigt die Hirnforschung, wusste aber offenbar auch schon Simonides von Keos vor 2500 Jahren. Warum man aber das Gehirn darauf trainieren kann, die analoge Information des Ortes mit digitalen Informationen wie Namen und Begriffe zu verknüpfen und sogar damit den Erinnerungszugang zu erschließen, das kann die Hirnforschung (besser) erklären (als die Mnemotechniker). Es kann der Verbreitung der Mnemotechnik im Allgemeinen und in der Schule im Besonderen nur helfen, wenn beides zusammengeführt wird, das Können der Mnemotechniker und das Wissen der Hirnforscher.
Ich gehe davon aus, dass Präferenzen bei der Wahl der mnemotechnischen Mittel auch etwas mit der persönlichen Veranlagung (Lerntyp) zu tun haben. Wer lieber mit Zahlen hantiert, wird lieber mit dem Major-System arbeiten, wer lieber mit Fantasie, Bildern und Orten lernt, wird Loci den Vorzug geben. Ein Problem für die Anwendung von Major in der Schule ergibt sich aus der Schwierigkeit, die Garderoben mit Leben und „Seele“ zu gestalten. Konkrete Orte und lebhafte innere Bilder bringen dagegen eindeutige Vorteile für das praktische Lernen. Dabei rede ich nicht vom Gedächtnissport. Das ist ein völlig anderes Terrain. Es geht um das ganz normale Lernen üblicher schulischer Lernstoffe in den verschiedenen Fächern.
Zuletzt geändert von Horkas am Mo 30. Jan 2012, 22:55, insgesamt 1-mal geändert.
Zu allen wirklichen Abenteuern gehört, dass man einen Schatz sucht.
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