Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Alles was Lerntechniken und Lernstrategien betrifft, insbesondere aber nicht ausschließlich gehören hier auch die Anwendungen von Mnemotechnik herein.
Wie kann ich am besten für Prüfungen lernen, wie merke ich mir Namen, wie lerne ich Zahlen oder Formeln etc.

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Klaus Horsten
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Sinologen im Allgemeinen von Mnemotechnik nichts halten
Das glaube ich nicht, ich glaube, viele beschäftigen sich nicht damit. Das ist aber Neutralität und nicht Ablehnung.

Wie lässt sich das ändern? Sinologen brauchen Themen für Seminararbeiten, Diplomarbeiten und Dissertationen. "Worüber soll ich schreiben? Es gibt doch schon alles." Vielleicht sollte man hier einen Diskussionszweig für Vorschläge eröffnen.

Zum Beispiel kann die gesamte Xiucixue unter dem Aspekt der Mnemotechnik neu gelesen werden. Die Bedeutung des Bilds etwa, des Parallelismus, der eine so große Rolle in den Klassikern spielt (Satzaufbau: a, b, c, a', b', c') , der Kettenbildung ...

Kettenbildung - aus daxue "Große Lehre":
知止而後有而後能: 而後能而後能慮

Das ist das Gleiche wie: (Zitat aus http://profizgl.lu.lv/mod/resource/view.php?id=22721)
"Kettenmethode
Bei dieser Methode werden die zu lernenden Begriffe wie die Glieder einer Kette so aneinander gehängt, dass die richtige Reihenfolge erhalten bleibt.

Beispiel: Bahnhof - Hotel - Park- Kirche - Café - See:

Ich steige am Bahnhof aus und gehe zum Hotel, das in einem wunderschönen, großen Park liegt. Wenn ich mitten im Park
stehe, kann ich die Kirche sehen, und direkt neben der Kirche ist ein Café, dessen Terrasse auf den See hinausgeht."

Kettenmethode der Mnemotechnik = "Fingerhut" (Dingzhen 頂針) der Xiucixue:
http://www.chinesischerhetorik.at/26.html

Zitat: "Im Gebäude ist ein Park, im Park ein Haus, im Haus ein Hof, im Hof ein Baum, vom Baum sieht man den Himmel, im Himmel ist der Mond. Ist das nicht eine Freude!" (Lin Yutang "Taiwan")
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Das ist das Gleiche wie:
Kettenmethode –頂針
Die Verwendung einer Fadengeschichte ist noch lange kein Beweis für die Verwendung der Kettenmethode oder für ihre Kenntnis. Erstens fehlt der Zweck (das Merken der Wörter), zweitens fehlt das Hauptmerkmal (die willkürliche Abfolge der Wörter), drittens fehlt der mnemotechnische Kitt (das Gelenkwort oder eine Phantasie derselben Funktion).

Die Autoren von http://profizgl.lu.lv/pluginfile.php/35 ... hniken.pdf haben die Kettenmethode nur halb verstanden, es gelingt ihnen nicht, sie von der Fadenmethode (die sie, wie vulgo üblich, als „Geschichtentechnik“ bezeichnen) zu unterscheiden. Die mnemotechnischen Besonderheiten der Kettenmethode sind ihnen unbekannt.
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Dass Sinologen im Allgemeinen von Mnemotechnik nichts halten (Ulrich Voigt)
Das glaube ich nicht. (Klaus Horsten)
Sinologen – Vorurteile
Ich bleibe bei meinem Vorurteil und betrachte Dich als die Schwalbe, die keinen Sommer bedeutet.
1994 reichte ich im Sinologischen Institut der Universität Hamburg über einen Freund, der dort mit einem Professor persönlich bekannt war, ein druckfertig ausgearbeitetes Manuskript über die Mnemotechnik der chinesischen Schriftzeichen ein. Ich war der Meinung, dass man freudig erstaunt sein würde über das, was ich aus den bescheidenen Ansätzen Matteo Riccis gemacht hatte. Ein halbes Jahr lang hörte ich dann nichts. Als ich über meinen Freund nachfragen ließ, erhielt ich über ihn – denn mit einem Blödmann wie mir zu sprechen, hätte man sich vermutlich geschämt – die folgende Mitteilung: „Wir sind nicht dazu da, uns mit solch einem Quatsch zu befassen. Wir bereuen schon die Zeit, die wir dafür aufgewendet haben, den Briefumschlag zu öffnen und das Papier herauszuziehen.“
Ich habe mich damals von der Reaktion beeinflussen lassen. Ich sagte mir: "Selbst wenn ich mein Unternehmen ganz durchführe, wofür ja noch jahrelange Arbeit nötig ist, so dürfte das Ergebnis doch niemanden interessieren, vielmehr wird man mich dann vollends für verrückt erklären." Also stellte ich das Unternehmen „Mnemotechnik der chinesischen Schriftzeichen“ ein und wendete mich der Mnemotechnik im Allgemeinen zu. Das Ergebnis sind die Bücher Esels Welt und Das Jahr im Kopf, zu denen ich keine Zeit gehabt hätte, wenn ich meine Arbeit an der Umsetzung des chinesischen Zeichenlexikons in mnemotechnische Phantasie festgehalten hätte. Inzwischen sind zwanzig Jahre vergangen, in denen ich in der Richtung nichts mehr getan habe. Erst jetzt komme ich auf meine alten Spuren zurück und schaue mal, was noch möglich ist.
Sinologen aber gehe ich, was Mnemotechnik betrifft, aus dem Weg; Chinesen übrigens auch, denn solche Gespräche führen nur zu nichts.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Ulrich Voigt hat geschrieben:Kettenmethode || Fingerhut. Erstens fehlt der Zweck (das Merken der Wörter)
Dieser Zweck muss da sein. Vielleicht ist er da. Das kommt auf das Beispiel und den Zusammenhang an.

Ich glaube, ein Grund für den großen Erfolg der 大學 Dà Xué "Großen Lehre" zum Beispiel ist die Einprägsamkeit. Und diese verdankt der Text unter anderem der Verkettung nach Art j... k/k...l/l...m/m...n.

Wenn nun diese Verkettung von unserer Art der Verkettung abweicht, so sehe ich darin keinen Widerspruch, sondern einen Grund (anders/neu) zu unterteilen.

Siehe https://en.wikipedia.org/wiki/Great_Learning - leider nur auf Englisch, der deutsche Eintrag ist zu dürr.

Zitat: "Memorization. Due to the service examination system which involved the memorization and recitation of Confucian Texts, including the Great Learning, memorization remains a key element in Chinese learning. Throughout much of China, it is still held that one should memorize as much knowledge as they possibly can, as one is incapable of the creation of intelligent thought without first obtaining enough basic knowledge. [...] memorization [...] represents [...] one aspect of [...] self-cultivation."
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Mnemotechnik im Chinesischlernen: Befürwortung - Neutralität - Ablehung
Ich kann dazu nur so viel sagen, dass ich selber eine Mnemotechnik entwickelt habe, um mir die chinesischen Schriftzeichen zu merken. Mir hat es etwas gebracht. Meine Chinesischlehrerin in China forderte mich heraus. Sie schrieb ein Zeichen auf die Tafel und sagte "Das kennst du aber nicht." Ich lassen offen, ob ich es gekannt habe. Zumindest heute erinnere ich mich daran, welches Schriftzeichen es war: Es war 霸 ba "beherrschen".
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

析字: Kannst Du die chinesischen Quellen, die Du dazu zitierst, datieren?
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Für einen literarisch gebildeten Chinesen war es selbstverständlich, dass er die Frühform des Zeichens kennt.
Meines Wissens beruhte bis ins 20. Jahrhundert hinein jegliches Wissen über das richtige Aufspalten der chinesischen Schriftzeichen auf einem einzigen Buch, nämlich dem 說文解字 (Shuowen jiezi, Erörterung der Grundmuster und Auflösung der zusammengesetzten Zeichen), dem ältesten chinesischen Lexikon überhaupt, datiert ins frühe 2. Jahrhundert (http://zh.wikisource.org/wiki/%E8%AA%AA ... 3%E5%AD%97). 析字 wäre dann im Idealfall das, was man zu einem zusammengesetzten Schriftzeichen sagen kann, wenn man das 說文解字 zu Rate zieht. 析字 und 解字 bedeuten dasselbe.
Matteo Ricci kannte das 說文解字 offenbar nicht, denn sonst hätte er an mancher Stelle anders konstruiert. Auch kannte längst nicht jeder Chinese, der 析字 betrieb, das 說文解字 hinreichend. Wir haben dazu 山山出 gesehen. Leon Wieger (1899) nahm das 說文解字, ordnete es nach „Lektionen“ und versah es mit einem kritischen Kommentar, der die Ansichten der chinesischen Gelehrten aus späterer Zeit mit berücksichtigte. Wenn ich also „Wieger“ als Grundlage nehme, bin ich hinsichtlich der Zeichenerklärung auf dem Stand eines Gelehrten des 19. Jahrhunderts.
Das 說文解字 ist der schlagende Beweis dafür, dass den Chinesen jener aus heutiger Sicht frühen Zeit die chinesischen Schriftzeichen nicht mehr ohne weiteres verständlich waren. Soviel zum Thema „Vertrautheit und Verständnis“! Man benutzte bereits den Pinsel und die Quadratschrift, die Erklärungen, die das Buch bietet, beruhen auf der (älteren) Siegelschrift. Gegen Ende des 19. Jahrhundert kam aber eine ganz neue Schicht von Zeichen ans Licht, auf Knochen und Schildkrötenpanzern eingeritzt, die sog. Knochen- oder Orakelschrift. Es wäre also möglich, hinter die Erklärungen des 說文解字 zurückzugehen auf die ersten Ursprünge und „Wieger“ durchgehend zu verbessern bzw. zu vertiefen. Jedoch ist eine solche systematische Erklärung dieser ältesten Form chinesischer Schriftzeichen noch nicht geleistet. Ich klammere also – wenngleich voll Unmut – die Knochenschrift aus meiner Mnemotechnik aus und bleibe bei „Wieger“ ( = 說文解字).
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Etymologie: Quellen

Etymologie Shuowen - Siegelschrift, Bronze, Orakel:
von z.B. 男:
http://www.internationalscientific.org/ ... =Etymology
Man kann ein Zeichen, das man sucht, im Feld links eingeben.

Why Study Chinese Etymology
http://www.internationalscientific.org/why_study.aspx
Vielleicht sich mit diesem Mann in Verbindung setzen.

Ist zwar auf Chinesisch, aber trotzdem sehr anschaulich:
http://www.amazon.cn/%E5%9B%BE%E8%AF%B4 ... B0041859YY

Auch das:
http://www.amazon.cn/%E5%9B%BE%E8%A7%A3 ... B005A20FVM
Zuletzt geändert von Klaus Horsten am Mi 26. Mär 2014, 21:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Wieger verhält sich zur modernen Schriftzeichenkunde wie Brehms Tierleben zur modernen Zoologie.

C.G. Jung empfahl Brehms Tierleben zur Deutung von Tierträumen - obwohl es moderne Bücher gab ...
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Etymologie: Quellen
Danke!
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Wieger verhält sich zur modernen Schriftzeichenkunde wie Brehms Tierleben zur modernen Zoologie.
Hinsichtlich des gesichteten Quellenmaterials ist das sogar noch eine Untertreibung! Hinsichtlich seiner Interpretation bin ich mir aber nicht so sicher. Die moderne Zoologie kennt nicht nur mehr Tiere als Alfred Brehm, sie weiß auch über jedes einzelne Tier wesentlich mehr. Hat man die Orakelschriftzeichen denn inzwischen so gut analysiert?
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Wieger verhält sich zur modernen Schriftzeichenkunde wie Brehms Tierleben zur modernen Zoologie.
Es lohnt sich, die Lesermeinungen auf amazon zu Wiegers "Chinese Characters" durchzulesen. Welche Emotionen!
Unterm Strich besteht die Kritik an Wieger ("Brehms Tierleben") darin, dass er über das Shuowen nicht hinauskommt und damit auch die Fehleinschätzungen bzw. Irrtümer des Shuowen wiederholt und gleichsam verewigt.
Nun ist es aber so, dass die Orakelschrift, auf der heute tieferes Wissen beruht, zur Zeit des Shuowen bereits vergessen war und vor dem Ende des 19. Jahrhunderts auch nicht mehr auftauchte. In der Schriftreform der Volksrepublik spielt Zeichenetymologie ohnehin keine Rolle. Es ist also keine Übertreibung, wenn man das Shuowen als Grundlage des historisch greifbaren Chinesisch sieht; es behält seine Bedeutung selbst dort, wo es sich irrt. Im Gegensatz zu Alfred Brehm bleibt Leon Wieger daher aktuell.
Außerdem ist man zwar bei vielen Zeichen klüger als das Shuowen, jedoch hat es den Anschein, als sei dies keineswegs auf breiter Linie der Fall, denn sonst müsste es doch längst ein neues Shuowen (bzw. einen neuen Wieger) geben. Auf amazon werden Literaturhinweise gegeben, die aber nur zeigen, dass man davon weit entfernt ist.
Klaus Horsten
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Die Leitunterscheidung in der Mnemotechnik ist "merkbar/nicht-merkbar". In der Wissenschaft ist es, folgt man dem Systemtheoretiker Niklas Luhmann, "wahr/unwahr". Für die Mnemotechnik hat dieser Unterschied keine Bedeutung. Das bedeutet, auch wenn eine Vorlage falsch ist, kann sie für die Mnemotechnik brauchbar sein. Und das mag teilweise erklären, weshalb Menschen, die wissenschaftlich eingestellt sind, Schwierigkeiten mit der Mnemotechnik haben.

Aber halt! Der Vergleich Wieger/"Brehms Tierleben" besagt ja nur, dass Vorsicht ratsam ist; doppelte Buchführung; was man aus Wieger übernimmt am besten anhand einer anderen Quelle überprüfen. Zum Beispiel an dieser:

http://www.zdic.net/

Ich tippe qiu2 ein und finde
犰 qiú (http://www.zdic.net/z/1e/js/72B0.htm)

Ich finde eine Frühform des Zeichens:
http://www.zdic.net/z/1e/zy/72B0.htm
Und ich sehe eine Gegenüberstellung der Schreibweisen in VR China, Taiwan, Hongkong, Korea.

Hier erfahre ich, dass das Zeichen aus 2 Teilen besteht: 1. 犭und 2. 九, dass der 1. den Oberbegriff angibt: ein Tier auf vier Beinen, das zweite die Aussprache aus einer Zeit, die längst vergangen ist.

Hier wird eine häufige Kombination angegeben: http://www.zdic.net/z/1e/xs/72B0.htm, die hier erklärt wird: http://www.zdic.net/c/0/148/320265.htm: Es handelt sich um das Tier armadillo/Dasypodidae - Gürteltier. Es gibt übrigens das Neunbinden-Gürteltier (Dasypus novemcinctus): https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCrteltiere - 九 = neun.

In dem Diskussions-Teil (http://www.zdic.net/z/1e/wy/72B0.htm) fragt ein Chinese, weshalb eine Reihe von Zeichen (蝴蝶 蝙蝠 鸬鹚 鸸鹋 蚯蚓 蜘蛛) alle so ausgesprochen werden, wie der rechte Lautteil es angibt, aber bei 犰 sei das nicht der Fall.

Das heißt, hier kann man sogar Fragen stellen. Sicher auch auf Englisch.

九 wird jiu ausgesprochen. Der Artikulationsort und die Artikulationsart von qiu ist gleich, bis auf den Unterschied, das mehr Luft ausgestoßen wird - ähnlich wie bei uns bei g und k, b und p, d und t.

Ich suche nach 男: Hier gibt es als Zeichnung, was ich mnemotechnisch entworfen habe. Ich hatte geschrieben: "Ein Mann ist jemand, der mit Kraft einen Pflug ziehend - hier schiebend - das Feld bearbeitet. Sobald ich "Mann" höre, denke ich an das Bild und erinnere mich an Feld und Kraft."
Bild
http://www.zdic.net/z/1f/wy/7537.htm
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Großen Dank für den ausgezeichneten und lehrreichen Beitrag! Natürlich weißt Du auch schon, dass mir das Neunbindengürteltier besonders einleuchtet. Auch hier gibt also der "Lautgeber" mehr als nur einen Hinweis auf die Lautung.
Allerdings gibt es in China eigentlich keine Gürteltiere, sondern nur in Südamerika. In den mir zugänglichen modernen Wörterbüchern finde ich nur diese Bedeutung "Gürteltier". Im Shuowen ist 犰 nicht verzeichnet, es gibt auch sonst keine älteren Formen. Man müsste also im Kangxi Wörterbuch nachschauen, welche Bedeutung das Zeichen hatte, bevor man in China von der Existenz von Gürteltieren erfuhr.
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Ulrich Voigt
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben: Bild
http://www.zdic.net/z/1f/wy/7537.htm
Ist das die Mnemotechnik, die Du beim Erlernen der chinesischen Schriftzeichen benutzt hast? Besitzt Du also noch mehrere solche Bilder?
Künstlerisch finde ich das Bild im Vergleich zu den mir sonst aus der zeitgenössischer Literatur bekannten expliziten Bildern ausgesprochen hochwertig.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Klaus Horsten »

Das ist ein "Bild-Zitat". Ich führe unter dem Bild die Quelle an. Ein Chinese hat es in dem Diskussions-Teil gepostet.

Ich selber habe nur mit Wieger gearbeitet. Statt Strichkonglomerate Gestalten. Die durch die Frühformen als Abzeichnungen sichtbar werden.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Frederica »

Ulrich Voigt hat geschrieben:
Dass Sinologen im Allgemeinen von Mnemotechnik nichts halten (Ulrich Voigt)
Das glaube ich nicht. (Klaus Horsten)
Sinologen – Vorurteile
Ich bleibe bei meinem Vorurteil und betrachte Dich als die Schwalbe, die keinen Sommer bedeutet.
1994 reichte ich im Sinologischen Institut der Universität Hamburg über einen Freund, der dort mit einem Professor persönlich bekannt war, ein druckfertig ausgearbeitetes Manuskript über die Mnemotechnik der chinesischen Schriftzeichen ein. Ich war der Meinung, dass man freudig erstaunt sein würde über das, was ich aus den bescheidenen Ansätzen Matteo Riccis gemacht hatte. Ein halbes Jahr lang hörte ich dann nichts. Als ich über meinen Freund nachfragen ließ, erhielt ich über ihn – denn mit einem Blödmann wie mir zu sprechen, hätte man sich vermutlich geschämt – die folgende Mitteilung: „Wir sind nicht dazu da, uns mit solch einem Quatsch zu befassen. Wir bereuen schon die Zeit, die wir dafür aufgewendet haben, den Briefumschlag zu öffnen und das Papier herauszuziehen.“
Ich habe mich damals von der Reaktion beeinflussen lassen. Ich sagte mir: "Selbst wenn ich mein Unternehmen ganz durchführe, wofür ja noch jahrelange Arbeit nötig ist, so dürfte das Ergebnis doch niemanden interessieren, vielmehr wird man mich dann vollends für verrückt erklären." Also stellte ich das Unternehmen „Mnemotechnik der chinesischen Schriftzeichen“ ein und wendete mich der Mnemotechnik im Allgemeinen zu.
Das ist genau der Punkt, der mMn im Nachbarthread bedeutsam ist:
Wenn man Mnemotechniken nicht beherrscht, aber ohne Techniken gut lernen kann, behindern die Techniken einen kurzfristig, weil man durch ihr Erlernen im Lernen des (anderen) Stoffes langsamer wird.
Versucht man das Erlernen der Mnemotechniken parallel zum Lernen wichtiger Inhalte (für eine Prüfung etc), wird man feststellen, dass man ohne die Techniken schneller ist und die Techniken evtl. anzweifeln.

Hat man die Einstellung, dass Studenten erstens alleine gut lernen können müssen (evtl. wird das mit Begabung gleichgesetzt) und zweitens sich bitte für das Fach anzustrengen haben und drittens die Inhalte in sich logisch (Sprachstruktur? "Zeichenstruktur"?) sind, dann hält man jegliche Merkhilfen für Quatsch.
Wer die braucht "ist hier falsch" und sie behindern MICH, der ich den Stoff ja schon beherrsche, auch auf den ersten Blick im Verstehen/ Aneignen des Stoffes.

Dahinter steht mMn auch die Vorstellung der Selektion: Wer nicht mitkommt, fliegt raus, wer (Merk-)Hilfen braucht, ist hier eben falsch und soll gar nicht gefördert werden.

Diese Arroganz "wir nehmen nur die Beste, die ohnehin schon gut lernen können" findet man in vielen auch nicht-akademischen Bereichen; Menschen mit solcher Einstellung kann man schwer vermitteln, dass man mit Hilfen besser und schneller voran käme und ggf. auch als Fortgeschrittener davon profitieren könnte.

Das Problem an einem "mnemonischen Wörterbuch" wäre für mich die Exklusivität - in Deutschland, auf Deutsch, wäre sie nur für Muttersprachler eine gute Hilfe, für Zweitsprachler und Fremdsprachler müsste dann ein eigenes Wörterbuch mit Merkhilfen, die auf ihre Muttersprache zugeschnitten sind, eingeführt werden.
Das ist wohl sehr mühsam und kann auch nicht von einem Autor alleine bewältigt werden.

LG
Frederica

PS
Ich kam kürzlich in die Situation, mir Zahlen merken zu müssen, die ein älterer Mensch erinnern und nach einer gewissen Zeit abrufen musste.
Ich habe dann eine Merkhilfe angewendet und nebenbei das Bild erwähnt, das ich benutzte. Seine Reaktion: Das will ich nicht hören, davon wird mir schlecht (in dem Bild selbst war nichts Ekeliges). Die Vorstellung, sich so ein kompliziertes System wie das Majorsystem zu merken, bereitete ihm tatsächlich Übelkeit.
Er wollte zwar später von mir die Zahlen wissen, weil wir doch zwischendurch von vielem abgelenkt gewesen waren, so dass man die "nackten" Zahlen leicht wieder vergessen hätte, aber die Vorstellung, Zahlen in Buchstaben umzuwandeln und sich dann die Buchstaben bzw. Wörter/ Bilder merken zu müssen überforderte ihn stark und bereite wie gesagt körperliche Übelkeit.
Solchen Menschen wird man Mnemotechniken nur schwer nahebringen können, weil schon am Anfang zu viele Ängste vorhanden sind.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:Ich selber habe nur mit Wieger gearbeitet. Statt Strichkonglomerate Gestalten. Die durch die Frühformen als Abzeichnungen sichtbar werden.
Da ich mit Karl Lehwald befreundet bin, der über 20 Jahre lang damit fasst war, die Orakelschrift im Gefolge des japanischen Sinologen Todo aufzuhellen, war mir von Anfang an klar, dass Wieger bzw. das Shuowen keine Grundlage sein sollten, jedoch fand ich es viel zu mühsam, für beliebige Zeichen nach Orakelschrift-Formen zu suchen. Also blieb ich doch bei Wieger stehen, denn bei ihm findet sich sozusagen jedes chinesische Schriftzeichen besprochen. Jetzt erst, vor allem durch die überaus bequeme website von Sears, ändert sich die Lage für mich.
Chinesen lernen "ihre" Schrift, ohne lange Gedanken über das zu verlieren, was sie da lernen; sie verhalten sich so wie wir mit "unseren" Buchstaben. Die Schriftreform, die im kommunistischen China durchgeführt wurde, ist vollkommen unbeleckt von etymologischen Kenntnissen. Auch hier wieder die Parallele: Ähnlich ist es ja auch mit der Rechtschreibreform hierzulande.
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Re: Dr Yip Swee Chooi - Wörterbuchmethode - Fragen

Beitrag von Ulrich Voigt »

Klaus Horsten hat geschrieben:九 wird jiu ausgesprochen. Der Artikulationsort und die Artikulationsart von qiu ist gleich, bis auf den Unterschied, das mehr Luft ausgestoßen wird - ähnlich wie bei uns bei g und k, b und p, d und t.
Ich glaube, man nennt das stimmhaft (b, g, w) / stimmlos (p, k, f). Man kann das so sehen, dass z.B. b und p denselben Laut darstellen, nur eben stimmhaft bzw. stimmlos. Die chinesischen Schriftzeichen folgen diesem Zusammenhang, denn in den phonetischen Serien findet man in aller Regel beide Varianten (stimmhaft / stimmlos) versammelt.
Das Pinyin nimmt auf solche phonetischen Besonderheiten der chinesischen Schriftlichkeit keine Rücksicht im Gegensatz zur Lautschrift von Wade-Giles (19. Jh.). Die hat nämlich p-p`statt b-p, k-k`statt g-k, ch-ch`statt zh-ch, tz-tz`statt z-c, chi-ch`i statt ji-qi, chü-ch`ü statt ju-qu, sie folgt also einer linguistischen Analyse statt irgendeiner Willkür.
Das Pinyin entsprang meines Erachtens einfach nur dem infantilen Bestreben der damaligen Machthaber, eine "eigene" Lautschrift zu benutzen, statt sich Erfindungen fremder Teufel anzuschließen.
Für die mnemotechnische Behandlung ist aber die Wahl der Lautschrift überhaupt nicht nebensächlich; das Pinyin ist meines Erachtens indiskutabel und gar nicht zu vergleichen mit Wade-Giles. Für meine eigenen Zwecke folge ich also Wade-Giles, das sich unter dem Gesichtspunkt der Mnemotechnik noch etwas verbessern lässt.
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Besonders Seite ff38ff. Zu einem Beispiel sagt er: "In these forty-six derivatives, there is a remarkable uniformity of sound, but no similarity of signification can be traced running through the characters".

Keine Umschrift ist exakt. Einzig und allein ist es die Internationale Lautschrift (Standard in allen Wörterbüchern, das ist die Lautangabe in eckigen Klammern).
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